Februar 2, 2012
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Bibliotheken von Esther Stosch

Verband: Gut ist die Lage noch lange nicht

Bücher
Sind Bücher überhaupt noch zeitgemäß? Mit verändertem Medienverhalten stehen auch die Bibliotheken vor neuen Herausforderungen.
Foto: dpa
(nk)  

Die Situation der Bibliotheken leidet vor allem in der Fläche. Kleine Kommunen können ihren Bestand kaum auf dem neuesten Stand halten, noch seltener bei der Onleihe mitmachen.SchwerinVon Bibliothekensterben will keiner mehr so recht sprechen. Das Problem liege zurzeit vor allem darin, „dass das Angebots- und Serviceniveau zwischen wohlhabenden und ärmeren Kommunen – denn diese unterhalten ja die Öffentlichen Bibliotheken – immer weiter auseinanderdriftet“, sagt Ulla Wimmer vom Deutschen Bibliotheksverband.

Damit werde ein  vergleichbares Niveau der Bibliotheksversorgung und Gleichheit der Lebensverhältnisse nicht mehr gewährleistet. Sie spricht davon, dass schließende Bibliotheken hier nur die Spitze des Eisbergs seien. Aus dem Bericht zur Lage der Bibliotheken des vergangenen Jahres geht hervor, dass sich die Lage kaum verändert hat. Bei einer Umfrage unter den öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken habe sich gezeigt, dass die Situation wenn nicht schlechter, so auch noch nicht besser geworden sei. Daher will der Verband nicht von einer Entwarnung sprechen: „Gut ist die Lage noch lange nicht“, heißt es.

Größere Städte mit guten Bibliotheken

Frank Pille, Geschäftsführender Vorsitz des Landesverbandes, sieht vor allem ein Gefälle zwischen den „Oberzentren“ – den großen Städten – mit ihren gut ausgebauten Bibliotheken und dem Land. Als positive Beispiele nennt er unter anderem Neubrandenburg,  Schwerin, Parchim und Greifswald. Indikator für die Situation sei der Umschlag, die Erneuerungsrate der Medien. „Wenn eine Bibliothek drei Prozent ihres Gesamtbestandes erneuert, ist das Gift“, sagt er.

Es gebe zwar Richtlinien des Ministeriums, wie  Fördergelder verteilt würden, aber viele der kleinen Bibliotheken erfüllen die Kriterien nicht. Zu diesen gehört beispielsweise, dass ein Online-Katalog des Bestandes auf einer Homepage für die Nutzer zugänglich sein muss, außerdem eine Wechselrate des Medienbestandes. Pille wünscht sich, dass die möglichen Förderungen die Kommunen anregen und sagt „dies ist ein kleiner Ausweg, den wir sehen.“

Er begrüßt, dass sich das Parlament für die Bibliotheksentwicklung ausgesprochen habe. Die Ankündigung der CDU-Fraktion ein Entwicklungskonzept zu erarbeiten sindet auch beim   kulturpolitischen Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin Zuspruch. „Es ist erforderlich, das Bibliotheksnetz flächendeckend zu bewahren, aber auch den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts anzupassen“, sagt er. Im Haushalt 2012/2013 sind 336 500 Euro für die öffentlichen Bibliotheken vorgesehen. In Schleswig Holstein werden die Bibliotheken im Rahmen des Finanzausgleichs mit 7,3 Millionen Euro gefördert.

109 öffentliche Bibliotheken im Land

Nach Angaben der Fachstelle Öffentliche Bibliotheken MV in Rostock gab es 2010 im Land 109 öffentliche Bibliotheken. Davon werden 89 hauptamtlich von den Kommunen und anderen Trägern geführt. Wie viele Bibliotheken im vergangenen Jahr geschlossen wurden, kann Ursula Windisch von der Fachstelle erst im März verbindlich sagen. „Ich weiß nur, dass Grimmen im Dezember geschlossen wurde und Krakow und Malliß von einer Schließung bedroht sind.“ Die Fachststelle betreut neben dem  FerienLeseclub und anderen Projekten zur Leseförderung mit Schulen und Vorschuleinrichtungen noch landesweite IT-Projekte. So gibt es seit dem vergangenen Jahr  eine Landeslizenz für neun Bibliotheken für die Nutzung der Online-Datenbanken des Informationsdienstleisters Munzinger, informiert die Koordinatorin.

Ob sich durch die Online das Medienverhalten verändert hat, kann Windisch noch nicht absehen. Aber E-Books, digitale Zeitschriften, Filme  oder Musik würden „auf jeden Fall neue Nutzergruppen“ anziehen. Die Statistik verzeichne einen Zuwachs bei der Ausleihe digitaler Medien in den beteiligten Bibliotheken Schwerin, Wismar, Greifswald, Stralsund, Neubrandenburg , Wolgast und seit Januar auch Bergen auf Rügen. Windisch informiert, dass sich kleinere Bibliotheken  selten diesem Verbund anschließen können, da sie die technischen Voraussetzungen  nicht haben oder die anteiligen Kosten für digitale Medien nicht tragen könnten.

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