Januar 4, 2012
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Justiz von Katja Müller und Max-Stefan Koslik

Blutkonserven verdorben – Justiz ermittelt

Kaum vorstellbar: Verdorbene Blutkonserven mussten im Herz- und Diabeteszentrum Karlsburg entsorgt werden, weil der Kühlschrank abgeschaltet war. Die Staatsanwaltschaft lädt Schwestern der Intensivstation vor.

Blutkonserve
Zum Glück wurden die verdorbenen Blutkonserven rechtzeitig entdeckt, kein Patient kam zu Schaden.
Foto: nk
Karlsburg (nk)  

In Deutschland werden täglich 15.000 Blutspenden benötigt. Im Klinikum Karlsburg wurden Dutzende entsorgt. Der Ausfall eines Blutkühlschrankes ließ die roten Lebensretter in den Sondermüll wandern. 55 Konserven mit einem Gesamtwert von 15 000 Euro. Es waren besondere Konserven, die für  Patienten nach einer Herz-OP auf der Intensivstation des hochspezialisierten Herz- und Diabeteszentrums  für Notfälle vorgehalten wurden. Konserven, die unterschiedliche Kühltemperaturen benötigen.

Die Klinikleitung geht  nicht von einem technischen Defekt aus. Die Konserven seien durch das „Abschalten eines Kühlschranks  zerstört worden“. Der Ärztliche Direktor  hat bei der Staatsanwaltschaft Stralsund Anzeige gegen Unbekannt gestellt – aus Sorgfaltspflicht gegenüber den Patienten und Blutspendern, so  Prof. Dr. Wolfgang Motz. „Für das Klinikum ist das ein routinemäßiger Vorgang, um Transparenz zu wahren und eine vollständige Aufklärung dieses Sachverhalts zu erreichen“, sagt der Ärztliche Direktor  auf Nachfrage dem „Nordkurier“.

„Ihre Vernehmung ist zur Wahrheitsfindung erforderlich“, heißt es in der Vorladung für die Schwestern und Betroffene. Auf der  Intensivstation arbeiten 50 Ärzte, Schwestern, Pfleger und Reinigungskräfte im Drei-Schicht-Betrieb.  Die Vernehmungen in der Klinik haben begonnen.  

So einen Verdacht  hat es in Vorpommern noch nicht gegeben. Vom Chefarzt der Klinik klingt das allerdings ganz anders: „Um Vorfälle dieser Art in einem hochsensiblen Bereich  möglichst ausschließen zu können, ist eine Ursachenforschung mittels staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen dringend geboten“, erklärt Wolfgang Motz.

Am 6. November bemerkte ein Krankenhaus-Techniker, dass der Kühlschrank, in dem die Blutkonserven für die Intensivstation lagerten, nicht mehr angeschaltet war. „Alle in dem abgeschalteten Kühlschrank gelagerten Blutprodukte sind nach der Entdeckung des Schadens sofort gegen neue ausgetauscht worden. Kein Patient erhielt ein beeinträchtigtes Produkt, so dass schlimmere Folgen verhindert wurden“, sagt Klinik-Sprecherin Anette Pröber.

Bereits an den Tagen zuvor waren Unregelmäßigkeiten bei der Kühlung aufgetreten, wie eine der Schwestern berichtet. Die Pflegekräfte sollten  die Temperatur in regelmäßigen Abständen kontrollieren. „Es wurde ein externes Thermometer angehängt und wir mussten die Temperatur ablesen und in eine Tabelle tragen“, erzählt eine der Intensivschwestern. Von der Staatsanwaltschaft Stralsund ist zu den Vernehmungen noch nichts zu erfahren. Nur so viel: „Es liegt eine Anzeige gegen Unbekannt vor und wir ermitteln. Die ersten Vernehmungen haben bereits im Klinikum Karlsburg stattgefunden“, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Ralf Lechte.

„Das ist ein Einzelfall“, sagt ein Sprecher des Sozialministeriums dazu. Man will bei der Fachaufsicht in Schwerin die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten. „Das Landesamt für Gesundheit und Soziales kontrolliert und überwacht  regelmäßig alle Blutkonserven, die in den Kliniken das Landes lagern“, versichert der Sprecher.

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