Di. 17. Januar 2012
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Tiere von Redaktion

Wölfe breiten sich zügig aus

Deutschlands Wölfe fühlen sich anscheinend sehr wohl: Ihre Zahl hat sich 2011 verdoppelt. Experten rechnen mit neuen Rudeln nördlich Berlins. So manchem Tierhalter macht die Rückkehr des Räubers Angst.

Wölfe breiten sich aus
Deutschlands Wölfe fühlen sich anscheinend sehr wohl: Ihre Zahl hat sich 2011 verdoppelt.
Foto: dpa
Waren/Wittstock (dpa)  

Rehe, Hirsche, Frischlinge - Nahrung für Wölfe gibt es in Deutschland anscheinend genug. „Hier leben derzeit 100 bis 120 Tiere, das wären annähernd doppelt so viele wie 2010“, sagt Norman Stier, Wildbiologe an der TU Dresden. Das gehe aus aktuellen Erhebungen hervor.

 

Fast immer siedeln sich die Raubtiere auf noch genutzten oder ehemaligen Truppenübungsplätzen an. Seit Ende 2011 lebten zwei der Raubtiere in Niedersachsen bei Munster, erklärt Stier. Mit der Bildung neuer Rudel in Nordbrandenburg und Mecklenburg-Vorpommern werde in Kürze gerechnet.

 

Die meisten Wölfe gibt es derzeit in Ostsachsen und im Süden Brandenburgs. 2011 gab es mit zwölf Würfen doppelt so viel Wolfsnachwuchs wie im Jahr davor. Erstmals hatten Wolfspaare bei Lehnitz und Jüterbog südwestlich Berlins jeweils vier bis fünf Welpen. Hinzu kamen Junge in Altengrabow in Sachsen-Anhalt. „Der Nachwuchs von dort wird frühestens Mitte 2012 abwandern“, sagt Stier. Für Wolfsweibchen seien die Strecken zu den Rüden jetzt kürzer. „Da könnten Wölfe in der Kyritz-Ruppiner und der Ueckermünder Heide sowie bei Lübtheen bald weibliche Begleitung haben.“

 

Vor einem Jahr hatte ein Wolf nördlich von Berlin zwischen Wittstock und Waren mehr als 30 Schafe und Rentiere gerissen - was bundesweit für Schlagzeilen und bei Tierhaltern für Angst sorgte. Hans Fehrmann aus Schwarz verlor mehrere Rentiere, als ein Wolf ins Gehege drang. „Ich gehe immer mit einem mulmigen Gefühl morgens raus“, sagt er.

 

Kurz nach der ersten Attacke wurde im nahe gelegenen Kieve eine Herde Schafe gerissen - was dem Raubtier das Attribut „Problem-Wolf“ einbrachte. „Bei der ganzen Diskussion wird am wenigsten die Bedrohung der landwirtschaftlichen Tierhaltung beachtet“, ärgert sich Landwirt Horst Hildebrandt aus Meyenburg bei Wittstock, der 100 Damhirsche, 50 Mufflons und 20 schottische Fleischrinder hält. „Um die Rinder habe ich keine Angst, aber beim Damwild wird es schon problematisch.“

 

Die Bauern und die Wildtierhalter sehen die Ansiedlungsbemühungen mit großer Skepsis. „Es ist unklar, wie viel Wolf verträgt dieses Land überhaupt“, betont Hildebrandt. Wolfsfachmann Stier hat in der Bevölkerung aber schon eine „Normalisierung“ ausgemacht. Je länger die Menschen in einer Region mit Wölfen lebten, desto eher tolerierten sie diese. In der Lausitz gehe das schon zehn Jahre. „Die Menschen gehen wie eh und je Pilze sammeln in die Wälder, Kinder spielen an Wäldern.“

 

Anders als Anfang 2011 - als die Emotionen ob der vielen Wolfsattacken hochkochten - blieb es 2012 bisher ruhig. Bei eher frühlingshaften Temperaturen fand „Isegrim“ bisher wohl genug andere Beute. Stier nimmt an, dass auch einzelne Maßnahmen zur Wolfsabwehr greifen.

 

So hat Rentierhalter Fehrmann ordentlich aufgerüstet: Für mehrere Tausend Euro wurde der Zaun mit Elektrodraht versehen und mit einem meterbreiten Untergrabungsschutz ausgestattet. „Wir bleiben aber skeptisch“, sagt Fehrmann. Damit weiß er sich einig mit den Schäfern. „Wir sind nicht unvorbereitet“, sagt Sven Grumbach vom Landesschafzuchtverband Mecklenburg-Vorpommern. Aber man finde wohl in ganz Deutschland keinen Schäfer, der Beifall klatsche, wenn der Wolf sich ohne Regulierung wieder ansiedle.

"Isegrim" erobert Deutschland zurück
Hier ist der Wolf zwar im Gehege, aber auch in freier Wildbahn  werden es immer mehr.
Hier ist der Wolf zwar im Gehege, aber auch in freier Wildbahn werden es immer mehr.
Foto: Jens Büttner (dpa)
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