Ärger zum Landesschützenfest:

„Das sind Preise wie amPotsdamer Platz“

Der Stavenhagener Gewerbeverein ist sauer auf die Stadtverwaltung. Denn die schickte einige auswärtige Händler, die zum Landesschützenfest am Boulevard stehen wollten, wieder nach Hause. Doch auch der Verein hat einen Fehler gemacht.

Die Helfer von Verena Roggow aus Altentreptow konnten am Freitagmorgen noch lachen. Doch das verging Karsten Lehmann (r.) und Dieter Papentin, als der Stand von der Stadt keine Genehmigung erhielt.
Eckhard Kruse Die Helfer von Verena Roggow aus Altentreptow konnten am Freitagmorgen noch lachen. Doch das verging Karsten Lehmann (r.) und Dieter Papentin, als der Stand von der Stadt keine Genehmigung erhielt.

Miriam Ranke versteht die Welt nicht mehr. Die Inhaberin der Stavenhagener Drogerie hatte extra zum Landesschützenfest einen Wagen für die Essen- und Getränkeversorgung in die Malchiner Straße bestellt. Doch die Erbsensuppe ist umsonst gekocht und Verena Roggow aus Altentreptow bleibt auch auf der Miete für den Wagen sitzen. Sie bekommt keine Genehmigung von der Stadt und muss wieder von dannen ziehen. „Erst sollen wir uns einbringen. Und dann so etwas“, kritisiert Miriam Ranke.

Wilfried Böhme und Ursula Jonassen vom Handel- und Gewerbeverein können sich denken, warum die Stadt die Altentreptowerin nach Hause schickt: Sie sind sich sicher, dass die Verwaltung kalte Füße bekommen hat, dass neben dem vertraglich gebundenen Essenversorger „Großmarkt Rostock“ noch andere Anbieter die Festgäste an diesem Wochenende bewirten wollen. Da könnte sich der jahrelange Partner Großmarkt Rostock vor den Kopf gestoßen fühlen und womöglich im kommenden Jahr zur 750-Jahrfeier nicht in die Reuterstadt kommen.

Ursula Jonassen setzte der Stadt die Pistole auf die Brust: „Wenn die auswärtigen Händler nicht bleiben dürfen, dann machen wir im Boulevard zur 750-Jahrfeier nichts.“ Doch das half wenig. Die Erbsensuppe bleibt ungegessen. Auch bei der „Cocktailbar on tour“ blieb die Stadt hart. Weil Großmarkt ebenfalls Cocktails einschenkt.

Die anderen auswärtigen Händler dürften zwar bleiben, wenn sie den Schützenumzug nicht stören. Andreas Mittermeier aus Berlin waren aber die 270 Euro Standgebühr für drei Tage viel zu hoch. Auch Ursula Jonassen kann diesen Preis für 3,07 Euro je Tag und Quadratmeter nicht nachvollziehen. „Das sind Preise wie am Potsdamer Platz“, sagte sie. Jetzt gibt es Schmalzgebäck, Allgäuer Wurst und Käse, eine Seifenmanufaktur, Holzspielzeug und Gegrilltes von der einheimischen Fleischmanufaktur.

„Wir hätten einen Weg gefunden“, betonte indes Hauptamtsleiter Joachim Demske. Doch der Gewerbeverein habe keinen Antrag gestellt, dass Händler kommen.

Diesen Fehler räumte Wilfried Böhme auch ein. Er versuchte, das am Freitag mit einem Eilantrag nachzuholen, was die Stadt ins Schleudern brachte. Und auch die Standgebühr von 3,07 Euro ist für Demske gerechtfertigt. „So steht es in der Satzung.“ Schließlich zahle Großmarkt auch eine Menge Geld. Da könnten andere Händler nicht gebührenfrei stehen.

Kritik gab es aber auch am Gewerbeverein. Künstler beklagten, dass ihre Bilder, die sie gerade zum Landesschützenfest in Schaufenstern am Stavenhagener Boulevard zeigen, mit Wagen und Ständen von Händlern zugestellt sind. Es handele sich aber nur um zwei Schaufenster, so Böhme.

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