Wie das Leben so spielt:

102-Jährige erinnert sich an Währungsunionen und einen Baron

Vor zwei Monaten lag die 102-Jährige noch im Krankenhaus. Sie erhielt ein neues Hüftgelenk, um wieder laufen zu können. Ganz so flink geht es noch nicht, aber ein paar Schritte am Stock wagt sie schon. Und sie hat viel zu erzählen, von Währungsunionen, einem Baron ...

Anna Keding macht es sich in der Küche im Haus ihrer Tochter gemütlich. Sie weiß viel aus ihrem über 100-jährigen Leben zu erzählen.
Gudrun Herzberg Anna Keding macht es sich in der Küche im Haus ihrer Tochter gemütlich. Sie weiß viel aus ihrem über 100-jährigen Leben zu erzählen.

Anna Keding sitzt im Rollstuhl. Damit kommt sie gut von einem Zimmer ins andere, in Begleitung wagt sie auch schon ein paar Schritte am Stock. „Schade, ich habe so gern im Zimmer oben im Haus meiner Tochter gewohnt, die Sonne schien so schön rein. Aber das geht nicht mehr“, sagt Anna Keding.

Ihre Tochter Christel Höke holt ein paar alte Papiere heraus, darunter sind auch einige Sparbücher. „Ja, gespart habe ich immer gern, obwohl nach dem Krieg wurde alles halbiert. Und dann noch mal, als der Euro kam. Ich wollte schon nach der ersten Währungsumstellung nicht mehr sparen, habe es aber immer wieder getan, und doch nicht bereut“, gesteht sie ein.

Als Stubenmädchen hat sie in Vanselow beim Baron gearbeitet. Da war sie noch ein junges Mädchen. Sie sei immer zufrieden gewesen mit ihrem Leben und habe in den 100 Jahren natürlich einiges erlebt. „Ich habe auf dem Feld gearbeitet, dann in der Küche und später im Schloss die Zimmer sauber gehalten“, erzählt sie. 1931 heiratete sie und bekam in Vanselow auch eine Wohnung. Nach Kriegsende wurde gesiedelt. Wer das nicht tat, musste nach Schmarsow ins Auffanglager.

„Mein Mann kam erst 1947 aus der Gefangenschaft, aber ich übernahm trotzdem eine Siedlung. Das war schwer, so allein als Frau, aber wir haben uns in der Nachbarschaft immer geholfen“, sagt Anna Keding. Zuerst wurde Kartoffeln gepflanzt, damit man etwas zu essen hatte. Enten und Gänse, Hühner liefen über den Hof und brachten Geld ein. „Ich bin nie in Urlaub gefahren, war immer bei meinem Federvieh und das hat mir Spaß gemacht“, meint die rüstige Rentnerin. Sie habe viel erlebt, manches vergeben, aber vergessen könne man nie.

Schafe kamen auf den Hof, Anna Keding lernte scheren und spinnen. „Oma hat viel Handarbeit gemacht, gestrickt und gestickt“, sagt Christel Höke. Und noch als Rentnerin ging sie in den Kuhstall zum Arbeiten, sollte sogar noch ihren Meister machen. Aber das wollte sie nicht mehr. Noch mal auf die Schulbank? Obwohl, zur Schule ist sie gern gegangen, war sogar ein Mathe-As. Der Küster habe einst zu ihr gesagt: Na, Anna willst du mich ablösen?. Nun, Zahlen haben es ihr eben angetan. Die kann sie sich heute noch gut merken.

70 Jahre hat sie in Vanselow gewohnt, dann holte die Tochter sie nach Warrenzin ins Haus. Dort leben beide heute noch, obwohl es schon einen Antrag fürs Altenheim gab. „Aber ich möchte noch hier bleiben, bei meiner Tochter. Jeden Tag kommt eine Schwester und hilft beim Waschen und Anziehen. Das geht alles noch gut“, sagt sie und schwelgt schon wieder in Erinnerungen, denkt an den leckeren Hefekuchen ihrer einstigen Nachbarin, an die vielen Eier, die ihre Hühner gelegt haben, an den schönen Garten und schaut aus dem Fenster in die Sonne. „Ich war immer dreist“, sagt sie und lacht. Nun sei sie schon 102 Jahre alt, und war immer zufrieden. Wie lange das Leben wohl noch andauert, sie weiß es zum Glück nicht und ist zufrieden. Sie freut sich über die Enkel und Urenkel und verabschiedet ihren Gast mit den Worten: „Bleiben Sie schön gesund“.

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