Not mit der Notfallversorgung:

40 Minuten Warten auf den Rettungsdienst

Reichen die Rettungswachen im Demminer Land aus? Ein Törpiner sagt: nein. Er spricht aus eigener Erfahrung, denn er hat selbst gerade 40 Minuten auf einen Krankenwagen gewartet.

Auch Stau und Baustellen können den Rettungsdienst aufhalten. Was dann?
Georg Wagner Auch Stau und Baustellen können den Rettungsdienst aufhalten. Was dann?

Wenn der 79-jährige Törpiner Medizin-Professor Helmut Pratzel die Logistik für die medizinische Notfallversorgung in der Region betrachtet, dann bleibt für ihn nur ein Schluss: Das Demminer Land braucht zusätzliche Rettungswachen. Nachdem er das bereits in der CDU-Kreistagsfraktion und auch gegenüber dem Landrat angesprochen hatte, erhielt er unversehens durch persönliche Betroffenheit einen aus seiner Sicht schlagkräftigen Beweis dafür.

In der vergangenen Woche begann sein Herz plötzlich rasend zu klopfen. Pratzel wählte die Notrufnummer, doch bis der Rettungsdienst in Törpin vorfuhr, dauerte es ganze 40 Minuten. "Als er endlich kam, war es schon wieder vorbei", sagt er. Den Verlauf der bangen Dreiviertelstunde hat er mit Hilfe eines Taschen-EKG genau dokumentiert und er weiß auch, dass er Glück hatte. Das Herzproblem erwies sich als  eine gutartige Form von Herzrhythmus-Störung, die Reentry-Tachykardie. "Wäre es ein Kammerflimmern gewesen", sagt Pratzel, "dann säße ich jetzt nicht hier." Denn wenn sich ein Herzinfarkt anbahnt, sind 40 Minuten eine sehr lange Zeit.

Was bringt die Überarbeitung des Gestzes?

Allerdings ist dem Vorsitzenden des Kreisseniorenbeirates bewusst, dass es sich in seinem Fall um eine Ausnahme handelte. Die Rettungswachen in Demmin und Tützpatz seien zu der Zeit im Einsatz gewesen, sagt er. Der deshalb alarmierte Rettungsdienst aus Altentreptow hatte nicht nur einen relativ weiten Anfahrtsweg, sondern musste wegen einer Baustelle bei Altentreptow auch noch eine Umleitung fahren. Dennoch sieht Pratzel aufgrund weiter Wege  Bedarf an zwei neuen Rettungswachen. Die eine werde in Lindenberg benötigt, die andere in Hohenmocker, meint er. "Der Landkreis sollte das über das Leader-Programm aufbauen, da stehen für die nächste Förderperiode 80 Millionen zur Verfügung", sagt er. "Da sollte es möglich sein."

Der Leiter des Kreis-Ordnungsamtes, Peter Handsche, plädiert dafür, zunächst die voraussichtlich mit der Novellierung des Rettungsdienstgesetzes kommende Überplanung des gesamten Kreisgebietes oder Landes abzuwarten. "Wir müssen erst einmal eine Grundlage haben", sagt er.

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung