Vertrag läuft bald aus:

Alles Mainz: Rathaus in Westbesitz!

Wem gehört eigentlich unser Rathaus? Der Stadt, sollte man meinen. Weit gefehlt. Das Schmuckstück ist nur gemietet.

Es ist der Stolz der Stadt, nur gehört es ihr nicht. Das historisierende Rathaus ist geleast.
Georg Wagner Es ist der Stolz der Stadt, nur gehört es ihr nicht. Das historisierende Rathaus ist geleast.

Das hatten wir ja nun gar nicht mehr auf dem Zettel: Das Demminer Rathaus gehört der Stadt gar nicht. Finanzieren ließ die Kommune sich die Replik ihres historischen Bürgermeisteramtes 1998 nämlich als Leasingmodell. So ersparte man sich Schulden und ließ sich gleich noch die Tiefgarage mit dazu bauen – trotz ziemlich heftiger Debatten.

Das war 1998. Seitdem zahlt die Kommune für ihr Miet-Rathaus samt tiefergelegtem Parkplatz. Allein der defizitäre Autokeller kostet die Stadtkasse gut und gern 200 000 Euro – pro Jahr. Offizieller Besitzer der Büros von Bürgermeister Michael Koch (CDU) und seiner Mannschaft ist die Rhodium Grundstücksverwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz in Mainz.

Die Stadt hat zwei Optionen

Doch das Vertragsende rückt näher. 2018 ist Schluss, dann fallen Rathaus und Tiefgarage theoretisch wieder an den Mainzer Leasinggeber zurück. Und dann? Wenn Verwaltung und Stadtparlament nicht obdachlos werden wollen, gibt‘s eigentlich nur zwei Optionen: Leasingvertrag verlängern, also weiter mieten – und dafür blechen. Oder zum Restwert kaufen.

„Die Überlegungen dazu sind noch nicht abgeschlossen“, sagt der Rathauschef auf Anfrage des Nordkurier. Unbestätigten Angaben zufolge soll der Restkaufwert für beides, also Rathaus und Tiefgarage, bei 800 000 Euro liegen. Die Kreditofferte einer örtlichen Bank liegt angeblich bereits vor – bei den derzeitigen Niedrigst-Zinsen ein verlockendes Angebot: Kommunaldarlehen gibts schon mit zwei Prozent Verzinsung.

Bürgermeister Michael Koch verteidigt auch aus heutiger Sicht die Leasing-Entscheidung: „Fakt ist, dass der Neubau mit einem Gesamtvolumen von über acht Millionen Euro auch zur damaligen Zeit eine enorme Belastung des städtischen Haushalts dargestellt hätte.“

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