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Als Herr von Bär hier lebte und die Russen kamen

Nossentiner Hütte.Ursula Eckhardt, Tante Ulla genannt, lebt seit 86 Jahren in Hütte. So lange wie ein ganzes Leben. Denn hier ist sie geboren, und in ihrem ...

„Min tauhus is Nossentiner Hütte“, kann Ursula Eckhardt, genannt „Tante Ulla“, behaupten.

Nossentiner Hütte.Ursula Eckhardt, Tante Ulla genannt, lebt seit 86 Jahren in Hütte. So lange wie ein ganzes Leben. Denn hier ist sie geboren, und in ihrem Elternhaus, min tauhus, wohnt sie noch heute. Das verlässt sie täglich für einen erholsamen Spaziergang, und dabei kennt sie jedes Haus, jeden Baum. Das Haus etwa, in dem nach 1945 „Herr von Bär“, ein lettischer Adliger, gelebt haben soll. Und die alte Eiche in der „Hammelkuhle“, die nach 250 Jahren ehernen Wachsens nun leider gefällt wurde. Ursula Eckhardts Mann war Flugzeugbauer und im letzten halben Jahr Jagdflieger im Krieg. Als er zurückkam, arbeitete er als Traktorist bei der Maschinenausleihstation, später als deren Leiter. „Wir waren 59 Jahre verheiratet. Eine schöne Zeit. Sie kommt nie wieder. Aber Menschen vergehen, wie Bäume auch.“ Nach dem Tod ihres Mannes vor wenigen Jahren hat sie aber noch die schönen Erinnerungen.
An das rege Dorfleben hat Ursula Eckhardt nur gute Erinnerungen.
Vor den Russen hat sich ihre Familie wie die anderen zwei Tage im Wald versteckt, danach kam sie nicht mehr in ihr Haus: Es war Lazarett. Und um sich vor einer Vergewaltigung zu schützen, habe sich die damals 17jährige eine Nacht und einen halben Tag unterm Sofa versteckt. „In die Gesellschaft Deutsch-Sowjetische Freundschaft konnte man mich nicht zwingen. Dann hätte ich lieber aufgehört zu arbeiten.“sv