Kunstgeschichte:

Altarbild unter Lupe der Wissenschaft

Auf den ersten Blick fällt die Kreuzigung ins Auge, doch das in Nossendorf ausgestellte Gemälde enthält mehr. Mit der Entdeckung neuer Details wurde jetzt sein Geheimnis um ein Stückchen gelüftet, auch wenn noch manches Rätsel bleibt.

Die Kunsthistorikerin Constanze Köster inspizierte in Nossendorf das geheimnisvolle Altarbild. Sie hält es für wahrscheinlich, dass der Rembrandt-Schüler Jürgen Ovens das Bild gemalt hat.
Georg Wagner Die Kunsthistorikerin Constanze Köster inspizierte in Nossendorf das geheimnisvolle Altarbild. Sie hält es für wahrscheinlich, dass der Rembrandt-Schüler Jürgen Ovens das Bild gemalt hat.

Die Vermutung, dass das vor einigen Jahren im Demminer Regionalmuseum aufgefundene Altarbild von dem Rembrandt-Schüler Jürgen Ovens stammen könnte, wurde jetzt erstmals wissenschaftlich untermauert. Am Sonnabend nahm es die Kunsthistorikerin Constanze Köster in der Nossendorfer Kirche unter die Lupe und kam zu einem vorläufigen Urteil. „Ich will mich noch nicht festlegen, aber wahrscheinlich ist es von ihm“, sagte sie. Der gesamte Bildaufbau und die Technik sprächen dafür. Als Beispiel nannte sie unter anderem den Schächer zur Linken Jesu in der Kreuzigungsszene, dessen Gesicht und gesamter Typus sehr an Ovens erinnerten. Aber auch familiäre Bindungen und der historische Kontext legen nach Constanze Kösters Einschätzung Ovens als Maler nahe.

Der stark vom niederländischen Barock beeinflusste Künstler, der von 1623 bis 1678 lebte, arbeitete für den Herzog von Holstein-Gottorf, als dieser 1654 eine seiner Töchter mit dem Herzog von Mecklenburg-Güstrow verheiratete. „Da gab man etwas mit“, weiß Constanze Köster. Auf diesem Weg könnte das Gemälde zwischen 1654 und 1660 entstanden und in die Darguner Schlosskirche gekommen sein. Das Schloss gehörte damals dem mecklenburgischen Herzog - ein Zusammenhang, der vor einigen Monaten schon den Vorsitzenden des evangelischen Kirchenbauvereins Berlin, Thomas Buske, auf Jürgen Ovens als möglichen Schöpfer der Kreuzigungsdarstellung brachte.

Für die 27-jährige Constanze Köster war das Bild eine Überraschung. Sie schreibt derzeit an der Universität Kiel ihre Dissertation über Jürgen Ovens, hatte sich aber bisher vor allem mit der niederländischen Ausrichtung beschäftigt. Im Zuge einer Internetrecherche stieß sie auf einen Zeitungsartikel über das rätselhafte Bild aus dem Demminer Museum und setzte sich mit dessen Leiter Hans Clemens in Verbindung. Sie freue sich sehr, dass sie hier so offen aufgenommen wurde, sagte sie in Nossendorf, während sie erstmals das Original des Bildes betrachtete. Darin entdeckte sie auch neue Details wie beispielsweise die Fragmente einer Inschrift in der rechten unteren Ecke oder die Konturen eines Pferdes im linken unteren Drittel. „Da war doch mehr Getümmel“, schätzte sie das originale Aussehen ein.

Von diesem ist nicht mehr allzu viel zu sehen. Zwar stechen einige Elemente der Kreuzigungsszene wie der Körper Christi sofort ins Auge, doch in großen Teilen ist das Bild heute nur noch schwer zu „lesen“. Das ist vor allem seiner Geschichte geschuldet. Höchstwahrscheinlich hing es bis gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in der Darguner Schlosskirche. Danach verliert sich seine Spur im Ungewissen.

Dass Constanze Köster auf das Gemälde stieß, hält Clemens für einen Glücksfall. „Wir als kleines Museum hätten es uns nicht leisten können, dass man sich wissenschaftlich damit beschäftigt“, sagte er. Clemens hofft jetzt, dass die Doktorandin weitere Hinweise auf die Autorenschaft geben kann. Offen ist aber auch noch, welchen kunsthistorischen Wert das Gemälde tatsächlich hat. Zumindest der laut Constanze Köster in der Forschung „recht vernachlässigte“ Jürgen Ovens ist für die Barockmalerei nicht ganz unbedeutend. „Er war zwar kein Weltstar“, gibt sie ihm einen Stellenwert, „aber er ist sehr wichtig für Norddeutschland.“

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