Kompromiss in Aussicht:

An Geld für Jugendarbeit soll wenig gespart werden

Fast hätte es für die offene Jugendarbeit vom Landkreis nur noch Geld in Höhe des absoluten Minimums gegeben. Und das in unserer von zunehmender Überalterung gezeichneten Gegend. Jetzt läuft es doch noch auf einen Kompromiss hinaus.

Seit Jahren gehören die Ferienprogramme im Demminer Jugendhaus auf der Friesenhöhe zu dessen festen Terminen. Sie müssen aber auch finanziert werden. Foto: Archiv/Georg Wagner
Georg Wagner Seit Jahren gehören die Ferienprogramme im Demminer Jugendhaus auf der Friesenhöhe zu dessen festen Terminen. Sie müssen aber auch finanziert werden. Foto: Archiv/Georg Wagner

Wenn der Leiter des Demminer Jugendhauses, Axel Schulz, in der Vergangenheit Ferienprogramme oder Freizeitfahrten ansetzte, dann wusste er über die finanziellen Aussichten ziemlich genau Bescheid. Neben Geld aus dem eigenen Budget beziehungsweise von den Eltern konnte er unter anderem auf Zuschüsse vom Landkreis rechnen. Je nach Veranstaltung gab es von diesem auf Antrag pro Kind 2,50 oder 4 Euro. Gelder, die im kreislichen Etat im Rahmen der Förderung offener Jugendarbeit abgesichert waren.

Dafür griff der Kreis seit Anfang 2013 tiefer in die Kasse, als er eigentlich musste. 5,11 Euro müsste er pro Einwohner im Alter zwischen zehn und 26 Jahren zahlen, den gleichen Anteil wie das Land. So will es das Gesetz. 9 Euro hatte der Kreistag ab dem Jahr 2013 beschlossen. Damit ließ sich wirtschaften. Zwischenzeitlich aber schien es, als müssten die Träger der Jugendarbeit ihre Erwartungen drastisch zurückschrauben. Denn Ende dieses Jahres läuft der Vertrag mit dem Land aus. Professionelle Haushaltssanierer sahen damit die Gelegenheit gekommen, um den defizitären Etat des Kreises in Zukunft jährlich um rund 120 000 Euro zu entlasten. So empfahl das von der Kommunalberatung KGST erarbeitete Haushaltssicherungskonzept, den kreislichen Anteil an der Finanzierung der Jugendarbeit mit dem neuen Vertrag auf das gesetzliche Mindestmaß von 5,11 Euro zu reduzieren. Die Folgen lägen auf der Hand. „Entweder fallen die Teilnehmerbeiträge höher aus oder die Träger müssen es ausgleichen, das ist jetzt noch nicht zu sagen“, stellte Axel Schulz nüchtern fest. Dabei sprach er allerdings schon nicht mehr über das Mindestmaß. Denn dass die offene Jugendarbeit in einer von immer rasanterer Überalterung gezeichneten Gegend nicht gerade der geeignetste Punkt für drastische Sparmaßnahmen ist, diese Erkenntnis hatte sich offenbar auch im Kreistag durchgesetzt. Auf Antrag der CDU hat er Anfang Dezember 2014 beim Beschluss des Haushaltssicherungskonzeptes einem Kompromiss zugestimmt. Trotz aller Finanznot soll demnach ab 2016 ein Betrag von sieben Euro pro Einwohner zwischen 10 und 26 Jahren festgesetzt werden.

„Das ist besser als die 5,11 Euro“, findet, wenig überraschend, Susanne Wilken. Sie arbeitet in Demmin beim Trägerwerk Soziale Dienste und ist ehrenamtlich seit langem im Jugendhilfeausschuss des Kreises tätig. Das Tauziehen um Finanzierungen ist ihr von daher ebenso vertraut wie die Sorgen der jeweiligen Träger. „Generell ist es schwierig, Gelder wegzunehmen, denn alle Projekte müssen entsprechend kofinanziert werden, und die Kommunen stehen immer mehr unter Druck, solche Sachen zu bewältigen“, weiß sie und schlussfolgert: „Es wird Einschnitte geben.“

Immerhin dürften sie nicht ganz so groß ausfallen, wie es zunächst zu befürchten stand – auch wenn die endgültige Entscheidung erst im neuen Vertrag mit dem Land getroffen wird. Zumindest Axel Schulz blickt da derzeit einigermaßen beruhigt in die Zukunft: „Ich sehe nicht, dass nichts mehr ginge.“

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