Diebstahl im Baumarkt?:

Angeklagt wegen 4,99 Euro

Ein Mann aus einem Dorf bei Demmin wird beschuldigt, in einem Supermarkt in Waren ein Werkzeug im Wert von wenigen Euro gestohlen zu haben. Der Angeklagte wehrt sich gegen diesen Vorwurf. Schließlich habe er an dem Tag fast 3000 Euro in der Tasche gehabt.

Werkzeug im Supermarkt geklaut? Das kann für den Dieb böse enden.
Foto: Fotosenmeer.nl - Fotolia.com Werkzeug im Supermarkt geklaut? Das kann für den Dieb böse enden.

Der unbescholtene Bürger – bislang jedenfalls unbescholten – versteht die Welt nicht mehr. Er soll, so die Anklage, im Juli ein kleines Werkzeug vom Grabbeltisch eines Supermarktes in Waren gestohlen haben. Er? Im Leben nicht, wehrt er sich, nie und nimmer! Staatsanwältin Daniela Schlößner bleibt hart. Ein kleiner Schrauber, Verkaufspreis 4,99 Euro, habe sich schließlich bei der Durchsuchung durch den Ladendetektiv in seiner Hosentasche befunden.

Ladendetektiv überwacht Bildschirm

Nein! Der Beschuldigte springt auf und hantiert an seinen Taschen. Hier, in der einen steckt immer sein Handy. Und in der anderen soll sich an dem Schicksalstag ein kaputtes Werkzeug befunden haben und ein anderer Schrauber. Er sollte nämlich bei einer Bekannten etwas reparieren, deren Werkzeug war kaputt oder passte nicht. Er musste also nach etwas Geeignetem suchen, fand das aber nicht. Nur blöd: Das heile Teil aus seiner Hose war genau so eins wie in den Auslagen im Supermarkt. Der Ladendetektiv, im Büro an der Bildschirmüberwachung, sah per Kamera, wie unser Mann sich dort zu schaffen machte und danach etwas in die Hosentasche steckte.

Zeugin verschwitzt Gerichtstermin

Richter Michael Kasberg sieht sich mit der Staatsanwältin und dem Rechtsanwalt Swen Büschel mehrmals das Video vom vermeintlichen Ladendiebstahl an. Ja – es ist zu erkennen, dass die Hand des Angeklagten dabei in der Hosentasche verschwindet. Aber – wo ist die Verpackung? Der Ladendetektiv zuckt mit den Schultern. Die leere Hülle habe er anschließend gefunden, aber nicht sehen können, ob der Verdächtige das Werkzeug dort herausgepult hat. Dies könne wohl eine Kollegin, Verkäuferin im Supermarkt, berichten. Schön wäre es. Denn die junge Dame hat den Termin beim Amtsgericht in Waren, zu dem sie als Zeugin geladen war, vergessen.

Als Richter Kasberg bei ihr telefonisch nachfragt, muss er erfahren, dass sie Urlaub habe und auf dem Weg nach Hamburg sei. Der Richter kündigt ihr schon ein Ordnungsgeld von 100 Euro an – sicherheitshalber, damit sie im Urlaub nicht zu großzügig mit dem Geld umgeht.

Angeklagter wollte Schweine kaufen

Der Angeklagte ist ein Ausbund an Zappeligkeit. Wieder springt er auf und zeigt seine Taschen vor, jetzt die Tasche hinten, wo sich immer die Brieftasche befindet. In genau dieser, sagt der Geschäftsmann in Sachen Textilhandel, dessen Geschäfte zur Zeit schlecht laufen und der vom eigenen Hof lebt, befanden sich an jenem Tag so zwischen 2000 und 3000 Euro. Die größere Summe war notwendig, weil er am gleichen Tag noch Schweine kaufen wollte. „Da habe ich es doch nicht nötig, für 4,99 Euro so eine Kleinigkeit zu stehlen.“

Richter Kasberg weiß auch nicht so recht. Hat er nun – oder hat er nicht? Die vergessliche Zeugin wäre wohl doch noch wichtig, die gesehen haben will, wie er das Werkzeug aus der Verpackung pult. Kein Urteil, noch nicht. Die Verhandlung um immerhin 4,99 Euro wird am 11.11. fortgesetzt. Das Karnevalsdatum ist aber nun wirklich ein Zufall.

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