Amt mauert, aber an falscher Stelle:

Anwohner bleiben mit der Flut allein

Eigentlich sollte in diesem Jahr der Hochwasserschutz für die Bürgerwiesen A beginnen. Doch das Staatliche Amt in Neubrandenburg hat das Vorhaben aufgeschoben. Wieder einmal. Nicht nur die Anwohner sind sauer, mancher in der Stadtvertreter fühlt sich gar betrogen.

Baken und Sandsäcke im Richtgrabenweg: Am tiefsten Punkt der Stadt drohen immer wieder Überschwemmungen.
Georg Wagner Baken und Sandsäcke im Richtgrabenweg: Am tiefsten Punkt der Stadt drohen immer wieder Überschwemmungen.

Mit dem Regen kam die Flut. Als die heftigen Niederschläge um den Jahreswechsel herum die Pegel von Peene, Trebel und Tollense in die Höhe trieben, wurde es auch im Demminer Richtgrabenweg nass. Kein Wunder. Am tiefsten Punkt der Stadt braucht es nicht viele Sturzregen, bis das Grundwasser durch das zerfahrene Pflaster drückt.

Frank Ott kennt das. Seit er im Richtgrabenweg wohnt, hat er die dortigen hydrologischen Verhältnisse gut kennengelernt. „Es liegt nicht nur am Regen“, sagt der Demminer, der für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Stadtentwicklungsausschuss sitzt. Zum Teil werde die Straße noch direkt in den Richtgraben entwässert. Wenn dort der Wasserspiegel erheblich steigt, läuft nichts mehr ab.

Aus einer Pfütze entspringt ein See

Das war auch jetzt wieder der Fall. Die Anwohner konnten förmlich zu schauen, wie sich die Pfütze vor ihren Grundstücken zu einem kleinen See ausdehnte. Rotweiße Baken warnen vor dem Wasserloch, Sandsäcke schützen notdürftig eine Grundstückszufahrt.

Dass das keine Dauerlösung sein kann, weiß man auch im Rathaus. Nur, was tun? Die Stadt, die eigentlich den Richtgrabenweg ausbessern will, sei vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Neubrandenburg abhängig. Denn das ist für den Hochwasserschutz zuständig. „Da braucht man richtig schwere Technik für“, sagt Bauamtsleiter Dietmar Schmidt. Käme die erst nach den Sanierungsarbeiten zum Einsatz, wäre die schöne neue Straße sofort wieder zerfahren. Das StALU aber lässt sich Zeit. „Die vertrösten uns schon die ganzen letzten Jahre.“

Angekündigt und verschoben

Dabei hatte es schon so ausgesehen, als würde das Hochwasserschutzkonzept für den Bereich Bürgerwiesen A jetzt endlich verwirklicht. Das verkündete das StALU im vergangenen Herbst. Der Deich sollte eingekürzt, am Stichkanal eine Spundwand eingezogen werden. Im November habe es das Vorhaben aber erneut verschoben, sagt Schmidt.

Im Stadtentwicklungsausschuss machte Dietmar Schmidt am Mittwoch kein Geheimnis aus seiner Gefühlslage. „Das StALU schiebt das Ganze Jahr für Jahr auf, das können wir uns nicht länger bieten lassen“, wetterte er, während Stadtvertreter Bernd Koltz (Die Linke) bekannte, sich betrogen zu fühlen. Den Grund, den Schmidt vom StALU für die Absage zu hören bekam, will er gar nicht erst nennen. Vom StALU selbst war am Donnerstag keine Stellungnahme erhältlich. Die Verantwortlichen dort sind erst am Freitag wieder im Amt.