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Archäologen entdecken alten Friedhof

Bei Ausgrabungen am Rand des Demminer Marktplatzes sind Archäologen auf Überreste von über einhundert Bestattungen gestoßen. Erstaunlich - aber irgendwie auch nicht.

Die Knochen morsch und erdfarben, aber erstaunlich gut erhalten. Manche der Gebeine datieren bis ins 14. Jahrhundert zurück.
Thoralf Plath Die Knochen morsch und erdfarben, aber erstaunlich gut erhalten. Manche der Gebeine datieren bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Reiner Fenske hat schon so manches aus Vorpommerns Erdreich gegraben, was niemand dort vermutet hätte, der Mann ist Archäologe und auf unterirdische Überraschungen sozusagen von Berufs wegen gefasst. Doch was Fenske und sein Grabungsteam am Demminer Marktplatz zutage förderten, ließ selbst den erfahrenen Profi staunen: Die Gebeine von rund 130 Toten barg man aus der Baugrube für das künftige Seniorenzentrum des Pommerschen Diakonievereins.

Die ältesten der Schädel und Knochen, morsch und erdbraun verfärbt, aber in der Form erstaunlich erhalten, stammen Fenske zufolge aus dem frühen 14. Jahrhundert, also aus der Zeit der Stadtgründung. Am östlichen Rand des Marktplatzes ruhten also, längst namenlos, einige der allerersten Demminer - seit mehr als 700 Jahren.

"Im Grunde war uns natürlich klar, dass wir hier auf Überreste früherer Bestattungen stoßen", sagt Reiner Fenske, "das Areal der Demminer Hauptkirche St. Bartholomaei war vermutlich von Beginn an Friedhof. Dass rings um die Kirche und auf dem Kirchhof Leute beerdigt wurden, war im Mittelalter und noch lange danach üblich. Aber dass es so viele Tote sein würden auf diesem kleinen Grundstück, das den Kirchhof ja auch nur zum Teil schneidet, das hat uns schon überrascht. Es ist ziemlich ungewöhnlich."