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Auf den Friedhöfen spiegelt sich auch der Trend der Zeit

Wer trauert, braucht einen Ort für die Trauer. Und einen Fixpunkt, an dem er seinen Verstorbenen nahe sein kann, wie das Grabmal. Doch auch das unterliegt dem Wandel der Zeit.

Auch feine Frakturschriften werden heute noch in Grabsteine gehauen wie hier auf einem Stein für einen Waldfriedhof. Knut Schlender hat ihn im Jarmener Steinmetzbetrieb Feilhaber derzeit in Arbeit. Foto: Georg Wagner
Georg Wagner Auch feine Frakturschriften werden heute noch in Grabsteine gehauen wie hier auf einem Stein für einen Waldfriedhof. Knut Schlender hat ihn im Jarmener Steinmetzbetrieb Feilhaber derzeit in Arbeit. Foto: Georg Wagner

Wer über den Demminer Friedhof schlendert, der kann einen Trend der Zeit entdecken. Gräber werden kleiner, Steinplatten oder schmale Stelen ersetzen üppige Grabsteine. Urnengräber nehmen immer mehr zu, und vielfach sollen sie pflegeleicht sein. Das hat nichts mit mangelnder Trauer um die Toten oder fehlender Pietät zu tun, sondern mit gesellschaftlichem Wandel. „Familien werden auseinander gerissen, gerade in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Monika Feilhaber. Die Kinder sind berufsbedingt oft weit weg vom Grab der Eltern oder Großeltern, für den Gang zum Friedhof bleiben nur wenige Tage im Jahr.

Monika Feilhaber weiß um diese Entwicklung. Gemeinsam mit ihrem Mann Joachim betreibt sie in Jarmen einen Steinmetzbetrieb, der auch eine Filiale in Demmin hat. Im Lauf ihres Berufslebens hat sie manchen Wandel auf den Friedhöfen miterlebt, manche Änderung des Zeitgeschmacks gesehen, die durch die Umstände ermöglicht wurde. „Früher“, erzählt sie, während sie in einem Katalog mit Grabmälern blättert, „kamen die Steine vor allem aus der Lausitz. Es gab kaum buntes Material. Heute kommen sie aus aller Herren Länder, bis aus Indien und Afrika. Da sind viel mehr unterschiedliche Farben möglich.“

Und wer sich für einen traditionellen Stein, meist aus wetterbeständigem Granit, entscheidet, der legt oft Wert auf Individualität. Ornamente wie Blumen oder Bäume sind ebenso gefragt wie Hinweise auf den Beruf des Verstorbenen oder auf ein besonderes Hobby – ein Anker, ein Steuerrad, eine Ähre beispielsweise oder bei Kindergräbern in den Stein eingravierte Figuren aus Kindergeschichten. Dazu Sinnsprüche aus der Literatur oder dem christlichen Glauben. „Das“, sagt Monika Feilhaber, „wird sehr viel verlangt.“

Denn der Stein ist vor allem eines: Ein fester Punkt im Leben, zu dem die Hinterbliebenen mit ihrer Trauer kommen, an dem sie ihren Verstorbenen nahe sein können. „Wir hatten schon den Fall einer Seebestattung, wo die Angehörigen im Nachhinein einen Ort der Trauer brauchten. Sie kauften eine Grabstätte und ließen einen Stein errichten.“ Denn Trauer ist persönlich. Und sie braucht oft mehr als abstrakte geografische Koordinaten.