Nach dem Koalitionsvertrag - Was wir zahlen müssen:

Bald 30 Cent mehr fürs Abwasser?

Berlin und die nahende große Koalition scheint für viele Demminer weit weg zu sein. Doch einer hat sich den Vertrag mal genauer angesehen und wurde stutzig. Es könnte teuer für uns werden.

Für die Abwasser-Entsorgung könnten insgesamt 170 Euro Mehrkosten entstehen.
dpa Für die Abwasser-Entsorgung könnten die Demminer bald tiefer in die Tasche greifen müssen.

Es ist nur ein kurzer Satz in dem 185 Seiten dicken Vertrag, doch die möglichen Auswirkungen versetzen Frank Strobel schon jetzt in Unruhe. Der Geschäftsführer der Gesellschaft für kommunale Umweltdienste (GKU) hat den Koalitionsvertrag, über den in diesen Tagen ja bundesweit an der Basis Abstimmungen laufen, aufmerksam gelesen und ist dabei über folgenden Satz gestolpert: "Wir werden die Klärschlammausbringung zu Düngezwecken beenden und Phosphor und andere Nährstoffe zurückgewinnen".

Generelle Erhöhung der Abwasserpreise

Genau so steht es auf Seite 120, unter dem Punkt "Gewässer- und Meeresschutz". Und Frank Strobel fing an zu rechnen. Denn mit diesem Satz wird seiner Meinung nach eine generelle Erhöhung der Abwasserpreise festgelegt. Bundesweit, also auch in unserer Region. "Diese Absicht bedeutet in Mecklenburg-Vorpommern einen extremen Einschnitt in die Kostenstruktur der Abwasserbehandlung, werden doch in ganz MV derzeit über 75 Prozent des Klärschlamms landwirtschaftlich verwertet", begründet Frank Strobel.

Klärschlamm fällt bei der Abwasserreinigung an und ist ein Gemisch aus Wasser und unterschiedlichen Feststoffen. Bauern bringen ihn als Dünger auf die Felder. Derzeit kostet die Entsorgung einer Tonne entwässerten Klärschlamms in der Landwirtschaft rund 30 Euro, rechnet der GKU-Chef vor. Falle diese landwirtschaftliche Verwertung weg, müsse der Schlamm verbrannt werden, was mit 140 Euro pro Tonne veranschlagt werde. Um daraus allerdings den benötigten Phosphor zurückzugewinnen, würden noch mal 60 Euro pro Tonne benötigt. "Leider ist diese Technik noch nicht praxisreif, sodass davon ausgegangen werden muss, dass die Kosten tatsächlich höher liegen", meint Strobel.

Warum konnte MV Bürger-Interessen nicht vertreten?

Er rechnet damit, dass summa summarum 170 Euro Mehrkosten entstehen könnten. Und das wiederum habe erhebliche Auswirkungen für die Verbraucher. "Auf Basis von aktuellen Preisen und Steuern würde allein aus diesem Grund eine Erhöhung des Abwasserpreises um rund 30 Cent pro Kubikmeter erforderlich sein", rechnet Strobel vor. Der GKU-Chef fragt sich, warum es den Vertretern aus Mecklenburg-Vorpommern an dieser Stelle nicht gelang, die Interessen der eigenen Bürger zu vertreten.

Für die Landwirte ist das Thema Klärschlamm kein neues. "Wir sind permanent damit konfrontiert", sagt Karsten Trunk, Vorsitzender des Demminer Bauernverbandes. Deshalb ist er nicht überrascht über diesen Satz im Koalitionsvertrag. Und es sei eben auch nur ein Satz und momentan noch nicht mehr. Allerdings zeige diese Absicht eine Richtung an, die dem Bauernvertreter gar nicht gefällt. Zumal die Landwirte sowieso vor einer Novellierung der Düngeverordnung stehen, was sie sehr beschäftigt. "Wenn man annimmt, dass das der richtige Weg ist, dann haben wir in den Arbeitsgruppen fachlich viel gerade zu rücken", so Trunk.