Großes Kino als Image-Offensive:

Bauern machen‘s wie Hollywood

Die Landwirte in der Region sind die Negativschlagzeilen über ihren Berufsstand leid. Jetzt diskutieren sie über Möglichkeiten, wie sich das eigene Ansehen aufpolieren ließe.

In die Offensive für ein besseres Image der Landwirtschaft wollen Demminer Verbandsvertreter gehen wie (von links) Michael Kühling, Roland Marsch, Rainer Tietböhl und Karsten Trunk.
Georg Wagner In die Offensive für ein besseres Image der Landwirtschaft wollen Demminer Verbandsvertreter gehen wie (von links) Michael Kühling, Roland Marsch, Rainer Tietböhl und Karsten Trunk.

Wer demnächst in Greifswald, Neubrandenburg oder Waren ins Kino geht, der könnte den einen oder anderen Bekannten auf der Leinwand sehen, wie beispielsweise den Zemminer Landwirt Michael Kühling. Dazu glückliche Kinder beim Picknick am Feldrand, fröhlich schnuppernde Ferkel und wogendes reifes Getreide. Das ländliche Idyll, das zwei Wochen lang jeweils vor dem Hauptfilm in den Lichtspieltheatern der Kette Cinestar laufen wird, gehört zu einer Image-Kampagne der Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns. In moderner Bildsprache transportiert der kurze Film die Botschaft einer wohltuenden und zugleich unverzichtbaren Agrarkultur.

Dahinter aber verbirgt sich teils tiefer Frust. Die Bauern sind die Negativschlagzeilen vom „Düngewahn“ bis zum Antibiotika-Vorwurf leid, der Berufsstand will für das eigene Ansehen in die Offensive gehen. „Es war uns über, in der Öffentlichkeit nur am Pranger zu stehen“, so Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl bei der Jahreshauptversammlung des Bauernverbandes Demmin in Gravelotte. Dort wurde der Werbefilm den Landwirten präsentiert, gemeinsam mit einem Strategiepapier des Landesbauernverbandes zu dessen künftiger Ausrichtung.

Bauern wollen fürs Leben und Arbeiten auf dem Land werben

Das sieht unter anderem eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit und eine verstärkte Präsenz in Schwerin vor. Denn den berufsständischen Vertretern der Bauern ist bewusst, dass die Landwirtschaft zwar in ländlichen Gegenden einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellt, die Branche  aber in der Gesellschaft immer weniger verwurzelt ist. In den Verwaltungen müsse man heute jedes Vorhaben immer wieder von Grund auf erläutern, weil dort oft die Kenntnisse fehlten, sagte Tietböhl, und der Vorsitzende des Demminer Bauernverbands, Karsten Trunk, sekundierte: In den Ämtern säßen immer weniger Fachleuchte. Dazu verstärken sich die Konfliktfelder zwischen den Belangen der Landwirte und dieser kritisch gegenüber stehenden Menschen auch auf dem Lande. „Ich will“, so Tietböhl, „auch noch am Sonntag in Ruhe dreschen können.“

Mit dem Strategiepapier, das gegenwärtig in den einzelnen Regionalverbänden diskutiert wird, wollen die Bauern nun das eigene Ansehen wieder aufpolieren. „Es sollte keiner glauben, dass wir weitermachen können wie bisher“, warb Tietböhl um die Annahme. Bisher kam das Papier nach seiner Auskunft nicht in allen Verbänden gut an. In Tietböhls Demminer Heimatverband sah das trotz einer damit einhergehenden Erhöhung des Mitgliedsbeitrages anders aus. Zwar gab es Nachfragen zu Details, doch grundsätzlich herrschte ein zustimmender Tenor.

Die Scheibe Wurst, die zu dick ist

„Prinzipiell ist die neue Selbstdarstellung sehr positiv“, fand etwa Gerald Schnepper. „Wir haben das Image des Jammerers und Forderers. In der neuen Kampagne kommt zum Ausdruck, dass wir gute Arbeit leisten und stolz auf unseren Beruf sind.“ Um diese Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu verankern, wollen die Bauern auch neue Medien wie Internet und Soziale Netzwerke nutzen. Einen Anfang haben sie bereits gemacht. Seit Mitte Januar überträgt eine Webcam laufend Bilder aus dem Schweinestall der Zemminer Familie Kühling. Bisher habe man rund 20 000 Klicks, mehr als sie erwartet hatten. Und auch auf den Imagefilm, der neben mehreren anderen Bauern-Videos bereits auf Youtube zu finden ist, habe er schon positive Resonanz bekommen, freute sich Michael Kühling.

Applaus bekam der Streifen „Landwirt aus Leidenschaft“ auch von den Bauern in Gravelotte. Nur eine Kleinigkeit störte den einen oder anderen. Eine Scheibe Wurst, die kamerawirksam abgeschnitten wird, sei denn doch etwas zu dick geraten. „Das geht nicht.‘“

 

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