gravelotte:

Beliebter Zeltplatz bald privat?

Erstmals steht in Meesiger ein Thema zur Debatte, über das dort bisher kaum jemand wagte, öffentlich nachzudenken: Den Campingplatz Gravelotte zu privatisieren. Doch der Bürgermeister hat Gründe, das Tabu zu brechen: Die Betreibung des gemeindeeigenen Platzes wird immer teurer.

An Himmelfahrt erwartet Gravelotte den ersten Gästeansturm, der Rasentraktor ist bereits im Einsatz. Doch der Gemeinde wird die Betreibung des grünen Campingplatzes am See immer mehr zur Last. Foto: Thoralf Plath
An Himmelfahrt erwartet Gravelotte den ersten Gästeansturm, der Rasentraktor ist bereits im Einsatz. Doch der Gemeinde wird die Betreibung des grünen Campingplatzes am See immer mehr zur Last. Foto: Thoralf Plath

Es hat Zeiten gegeben, da kam allein ein öffentliches Nachdenken über dieses Thema in Meesiger einem Akt von Ketzerei gleich: Den Campingplatz Gravelotte privatisieren? Niemals! Als Thomas Disterheft, seinerzeit Vizelandrat des Altkreises Demmin, der Gemeinde Meesiger das mal empfahl, fuhr ihm der damalige Bürgermeister Gustav Gebauer erbost in die Parade und riet dem Kreispolitiker, sich um seinen eigenen Kram zu kümmern. Gravelotte blieb der einzige kommunal betriebene Campingplatz weit und breit, mit öffentlichem Strand, Sportboothafen – und sozialen Preisen.

Ein Tabu ist das Thema nun nicht länger in dem schmucken Dorf am Ostufer des achtgrößten deutschen Sees. Bürgermeister Hubert Niedhoff sprach es offen aus in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung und
löste damit bei seinen Abgeordneten eine Reaktion aus, als habe man ihnen gerade einen Stromschock versetzt. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mit dem Campingplatz weitermachen, und damit meine ich auch eine mögliche Privatisierung. So geht es nicht mehr weiter.“

Den Grund für seine Offerte lieferte Niedhoff auch gleich nach: Die Gemeinde ist finanziell und personell zunehmend überfordert mit der Betreibung des Zeltplatzes. Die Finanzierung der Gemeindearbeiter wird immer schwieriger, Platzwart Ralf Rehberg und seine Mitarbeiterin schieben in jeder Saison einen großen Berg Überstunden vor sich her – Gravelotte macht der Gemeinde mehr Probleme als Gewinn. „Wer soll das alles machen? Allein die Pflegearbeiten. Am Ende setz ich mich noch selbst auf den Rasentrecker, oder wie? Nein, wir müssen so realistisch sein, so ein Betrieb ist für eine Gemeinde mit unseren Mitteln und Möglichkeiten einfach nicht mehr zu schaffen. Und zur Gemeinde gehört mehr als nur Gravelotte.“

Nun rollt die Kugel. Ein Beschluss in der Sache steht aktuell kaum an, es dürfte auch nicht so einfach werden, da eine passable Lösung hinzubekommen: Der Strand soll gemeindeeigen und öffentlich bleiben, der Wasserwanderrastplatz sowieso, das stellt Niedhoff schon mal klar. Doch der Weg zu Hafen und Strand führt mitten durch das Ferienareal.

Gravelotte ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region und mit durchschnittlich 5000 Übernachtungen pro Saison auch eine der ersten Campingadressen im nordostdeutschen Binnenland, am Kummerower See zudem ein Zentrum des Bootstourismus – an dem guten Ruf hat die Gemeinde
viele Jahre gearbeitet.

„Das soll natürlich auch so bleiben“, sagt Niedhoff. „Ich will das Thema einfach zur Diskussion stellen. Gravelotte soll sich weiterentwickeln, aber wir als Gemeinde auch. Da brauchen wir einen guten Kompromiss, und mit Tabus kommen wir nicht weiter.“ 

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