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Borrentiner entsetzt über neuen Plan für Stallanlagen

VonJana OttoDie Gemeinde hat zwar ihren Flächennutzungsplan beschlossen. Doch Zufriedenheit will sich nicht einstellen, denn die Gemeindevertreter fühlen ...

Planerin Liane Janssen erläuterte den Gemeindevertretern Borrentins, welche Änderungen in dem Flächenplan eingearbeitet wurden.  FOTO: Jana Otto

VonJana Otto

Die Gemeinde hat zwar ihren Flächennutzungsplan beschlossen. Doch Zufriedenheit will sich nicht einstellen, denn die Gemeindevertreter fühlen sich verraten.

Borrentin/Pentz.Eigentlich hätten die Gemeindevertreter Borrentins allen Grund zur Zufriedenheit: Nach Jahren intensiver Arbeit haben sie auf ihrer Sitzung am Donnerstagabend einen Flächenplan beschlossen, der regelt, an welchen Standorten in der Gemeinde gewerbliche Tierhaltungsanlagen errichtet werden könnten. Doch die Freude darüber, als erste ländliche Gemeinde bundesweit so einen Plan aufgestellt zu haben, blieb den Frauen und Männern regelrecht im Halse stecken. Denn die geplante Stallanlage, die seinerzeit ausschlaggebend für die Erarbeitung des Planwerks war, könnte trotzdem gebaut werden. Jetzt allerdings nicht von einem ausländischen, gewerblichen Investor, sondern von einem Landwirt ihrer Gemeinde. Peter Rabe vom Gut Schwichtenberg hat einen entsprechenden Bauantrag gestellt und ist als Bauer privilegiert, das Vorhaben umzusetzen (der Nordkurier berichtete). Denn der Flächenplan der Gemeinde gilt nur für gewerbliche, nicht aber für landwirtschaftliche Stallanlagen.
Die Enttäuschung darüber sitzt tief und stand vielen Abgeordneten ins Gesicht geschrieben. „Wir haben viel Zeit, Arbeit und Geld investiert, das tritt er mit Füßen“, sagte Jens Huth nachdenklich. Besonders getroffen fühle er sich, weil Peter Rabe nicht nur selber in der Gemeinde lebt, sondern lange Zeit mit ihnen am Tisch gesessen und als Abgeordneter wie sie Entscheidungen getroffen hat. „Wir beschäftigen uns seit 2008 damit und niemand hat im Ansatz gewusst, wie viel Fachkenntnisse dafür notwendig sind. Ich sehe in Peter Rabes Handeln nur Hohn und Spott gegenüber den Gemeindevertretern“, sagte Achim Franz, der selbst Landwirt ist. Er betonte, dass die Gemeinde sich nie grundsätzlich gegen Tierhaltungsanlagen ausgesprochen habe, der Standort jedoch umsichtig gewählt werden müsste. Und gerade das sei nicht der Fall. Laut Flächenplan eigne sich der vorgesehene Grund und Boden bei Gnevezow keineswegs für die Stallanlage. Auch Bürger hatten sich, schon als die ursprünglichen Pläne des damals fremden Investors bekannt wurden, stark gemacht und protestiert.
Für die Gemeindevertreter geht es also weiter. Denn sie werden, das kündigten sie an, den entscheidenden Behörden ihre Einwände mitteilen. Und dafür die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Flächennutzungsplan bemühen. „Der Standort ist nicht besser geeignet, auch wenn der Investor privilegiert ist“, meinte Georg Nikelski, der im Ausschuss für Gemeindeentwicklung mitarbeitet.
Obwohl Zweifel laut wurden, dass die Gemeinde eine entscheidende Stimme im Verfahren hat, sehen die Abgeordneten sich in der Pflicht, den Willen ihrer Bürger nicht nur zu vertreten sondern auch kundzutun. „Und die Bürger wollen so eine Anlage nicht, ob nun gewerblich oder landwirtschaftlich. Solange ich Bürgermeister bin, werde ich gegen so einen Stall an diesem Standort sein“, sagte Eckhard Wach.
Den Flächennutzungsplan brachten die Gemeindevertreter einstimmig auf den Weg. Er wird jetzt beim Landkreis Mecklenburgische Seenplatte eingereicht. „Die Mitarbeiter haben mir zugesichert, dass sie uns zeitlich entgegen kommen. Ich gehe davon aus, dass wir ihn rechtzeitig bekannt machen können“, erläuterte Planerin Liane Janssen das weitere Verfahren.

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