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Cowboy-Tanz „weckt“ Haus des Pastors auf

VonGeorg WagnerAus dem Demminer Kulturleben sind die „Dancing Angels“ und „Stilbruch Dancing Girls“ kaum noch wegzudenken. Wie aber steht es um den ...

Die Kleinen der Wotenicker Tanzgruppe „Stilbruch Dancing Girls“ beim Frühlingsfest im Hanseviertel. Nachwuchstänzer zu bekommen, ist für die Gruppe nicht ganz einfach. [KT_CREDIT] FOTOs: Georg Wagner

VonGeorg Wagner

Aus dem Demminer Kulturleben sind die „Dancing Angels“ und „Stilbruch Dancing Girls“ kaum noch wegzudenken. Wie aber steht es um den Nachwuchs?

Demmin/Wotenick.Christin Berner, Borussia Dortmund und der FC Bayern München haben eines gemeinsam: Auf sie wartet nach Pfingsten ein anstrengendes Wochenende, dem sie zugleich entgegenfiebern. Während die beiden Fußballclubs zum finalen Tanz in der Champions League bitten, wird die 22-jährige Demminerin an jenem Sonnabend gemeinsam mit den „Dancing Angels“ in Strasburg tanzen. Die Truppe um Vereinsvorsitzende Sabine Wiedemann nimmt dort an einem Tanzwettbewerb teil. Und sie wird gleich tags darauf auf der Bühne des Demminer Peenefestes stehen.
Christin Berner kennt solch eng gestrickte Auftrittspläne, sie macht sie nicht zum ersten Mal mit. Schon im Alter von acht Jahren begann sie mit dem Tanz im Ensemble. Damals übte sie bei den „Demminer Danz Dirns“ Folklore-Tanz. Doch das genügte ihr auf die Dauer nicht. Als vor acht Jahren Sabine Wiedemann die Dancing Angels gründete, gehörte Christin Berner gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Nicole zu den ersten Mitgliedern. Es war der moderne Tanz, der sie dort anzog, befreit zu sein von den Zwängen fester Figuren und Bewegungen. „Beim modernen Tanz kann man viel variieren und zeigen, was man kann“, sagt Christin. Das hat sie bis heute nicht losgelassen und wie ihr geht es offensichtlich auch vielen anderen Mädchen und jungen Frauen.
48 aktive Mitglieder zählt die Gruppe nach Auskunft von Sabine Wiedemann gegenwärtig. Von Veranstaltungen in der Stadt und der Region sind sie nicht mehr wegzudenken. Ob Peenefest oder Osterfeuer, die Dancing Angels treten dabei auf und unterstützen zugleich Aktionen wie die Kunstnacht oder auch den städtischen Frühjahrsputz. Dabei kann Sabine Wiedemann auf einen festen Stamm setzen. Fluktuation gebe es kaum, sagt sie. „Wir haben ganz selten einen Abgang, wenn jemand in die Lehre weit weg geht und die Entfernung zu groß wird. 99 Prozent der Mädchen bleiben. Wir haben auch welche, die jetzt in Hamburg sind, aber zum Training kommen.“
Noch dazu hat die Vereinsvorsitzende kaum Nachwuchssorgen. Trotz der „Konkurrenz“ durch andere Vereine finden sich immer wieder Kinder, die bei ihr mitmachen wollen. „Vielleicht“, meint sie, „liegt es an meiner Art, offen und gleichzeitig auch streng zu sein. Die Kinder schauen sich das an und es gefällt ihnen.“ Zwischen 20 und 25 „Nachzügler“ machen derzeit bei der Gruppe mit, sagt Sabine Wiedemann.
Ganz so einfach läuft es für die andere etablierte Tanzgruppe in Demmin nicht. Die „Stilbruch Dancing Girls“ aus Wotenick, seit etwa 15 Jahren eine feste Größe im Kulturbetrieb des Demminer Landes und gleichfalls am Peenefest beteiligt, können sich zwar über mangelnde Treue ihrer älteren Mitglieder nicht beklagen. „Bei den Größeren ist es kein Problem“, sagt Karin Huhnke, die gemeinsam mit Rica Hartz die Kleinen trainiert. Aber ab vier Jahren werde es schwierig. Auch Tanzgruppen bekommen eben die Demografie zu spüren und die Werbung anderer um Nachwuchs. „Es gibt viele Tanzgruppen“, weiß Karin Huhnke. Etwa die „Tanzmäuse“ der IB-Kita Südmauer, in die einiges an möglichem Nachwuchs geht. „Und dann muss auch die Lust da sein und die Kinder müssen wissen, wohin.“ Im Fall der Wotenicker Gruppe liegt dieses Wohin im Haus des Pastors. Dort üben sie einmal wöchentlich Teile ihres Repertoires wie den bei den Kleinen beliebten Cowboy-Tanz.
Ohne strammes Proben würde es auch bei den Dancing Angels nicht laufen, zumal die etwa zweimal jährlich an Wettbewerben teilnehmen. Ihr Name hat sich offenbar in der Szene herumgesprochen. „Inzwischen bekommen wir auch schon Einladungen dazu“, sagt Sabine Wiedemann. „Anfragen, ob wir mitmachen möchten.“ Das ist für Christin Berner keine Frage. Wenn sie tanze, sagt sie, fühle sie sich wie in einer anderen Welt. Glück-lich, ohne Sorgen. „Dann fühle ich mich frei.“

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