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Deichreform für Demmin

Von allen Städten im Landkreis ist Demmin die, die am stärksten hochwassergefährdet ist. Jetzt gibts endlich mehr Schutz gegen Überflutung: Das Deichsystem in den Bürgerwiesen soll im nächsten Jahr erneuert werden. Denn dort liegt der tiefste Punkt Demmins.

Überschwemmung im Peenetal an der Aalbude: Zuletzt zeigte die Sommerflut 2011, wie hochwassergefährdet die Demminer Region ist. Die Hansestadt soll jetzt besser geschützt werden - unter anderem mit einem neuen Deichverlauf.
Kirsten Gehrke Überschwemmung im Peenetal an der Aalbude: Zuletzt zeigte die Sommerflut 2011, wie hochwassergefährdet die Demminer Region ist. Die Hansestadt soll jetzt besser geschützt werden - unter anderem mit einem neuen Deichverlauf.

Gut drei Jahre ist es her, da zeigte die Peene, dass sie auch anders kann als nur so sanft durch Vorpommerns Flachland strömen. Nach tagelangem Dauerregen – zeitweise goss es 50 Stunden am Stück – lief der „Amazonas des Nordens“ über. Demmins Deichen stand das Wasser buchstäblich bis zum Hals.

Nach der Sommerflut 2011 wurde viel darüber spektakelt, was alles verändert werden sollte, um solche Szenarien künftig besser in den Griff zu bekommen. Passiert ist nicht viel. Doch jetzt nimmt der neue Hochwasserschutz endlich Form an: Das Staatliche Umweltamt (StaLu) will die Hansestadt besser vor Überschwemmung schützen.

Das Moor lässt die Deiche schrumpfen

Voraussichtlich im nächsten Jahr soll ein großer Teil des Deichsystems in den so genannten Bürgerwiesen A erneuert und dabei um fast die Hälfte eingekürzt werden, um es effektiver zu führen, wie Bodo Heise vom StaLu Neubrandenburg erläutert. „Ein Problem in Demmin ist das Niedermoor. Die Deiche sacken mit der Zeit ein, müssen also aufgeschüttet werden, dadurch werden sie schwerer und sacken so weiter ein.“

Die Bürgerwiesen sind so etwas wie die Achillesferse im Hochwasserschutzkonzept der Hansestadt. Hier liegt, bis an den Richtgrabenweg heran, der tiefste Punkt von Demmin – die Leute wohnen dort fast auf Flussniveau. In der Sommersintflut 2011, als die Peene bis auf einen Pegelstand von 5,99 Meter anschwoll, wäre ohne Schutzdeich der gesamte Richtgrabenweg abgesoffen. Und nicht nur der.

Alte Sünden rächen sich

Demmin ist die am meisten überflutungsgefährdete Stadt im Seenplatte-Landkreis. Die Bewertung für das neue Hochwasser-Risikomanagement, das gerade landesweit erarbeitet wird, nennt allein für die Hansestadt 5,1 Kilometer Peene in der so genannten Priorität 1 – der höchsten Bedrohungsklasse. „Beim Erarbeiten der Managementpläne haben wir es oft mit alten Sünden zu tun“, sagt Heise. „Was mancherorts gebaut wurde und wird in deutlich überflutungsgefährdeten Bereichen, das mag vielleicht alles rechtens sein, klug war es gewiss nicht.“ Der Richtgrabenweg sei ein Beispiel dafür.

Auch dort soll, zusammen mit der „Deichreform“ in den Bürgerwiesen, nun endlich mehr gegen die Hochwassergefahr getan werden. Geplant ist  eine massive Schutzmauer auf mehreren Hundert Metern längs dieses Stichkanals der Peene.