Nicht auferstanden, sondern abrissreif:

Demmin sagt seinen Ruinen den Kampf an

Ginge es rein nach den Zahlen, wären wir gar nicht so schlecht: Nur 2,5 Prozent der Demminer Wohngebäude gelten als ruinös. Doch gefühlt sind es viel mehr. Die Stadt will für das Einebnen der Abrisskandidaten jetzt verstärkt Fördermittel einwerben.

Willkommen im Ruineum: Am Stadtrand in Demmin-Meyenkrebs werden Autofahrer von dieser stattlichen Villa begrüßt.
Thoralf Plath Willkommen im Ruineum: Am Stadtrand in Demmin-Meyenkrebs werden Autofahrer von dieser stattlichen Villa begrüßt.

Kaum etwas hat die öffentlichen Debatten in Demmin in den letzten Jahren so sehr geprägt wie die Ruinen. So gut wie jede Straße hat, jedenfalls gefühlt, ihren „Schandfleck“ – und viele Demminer regt das auf. Das einstige Geschäftshaus an der Ostseite des Marktplatzes stand so lange leer und verfiel, dass es am Ende seinen Namen weg hatte. „Die Markt-Ruine“ sagten die Leute nur, und jeder wusste, was gemeint war.

Auch längs der großen Zufahrten säumen solche grottigen Hausleichen die Straßen. In der Loitzer hocken gleich fünf nebeneinander, vernagelte Fenster, von schwarzen Fassaden blättert der Putz. Am Stadtrand in Meyenkrebs, direkt neben dem Kreisel, schauen Autofahrer seit Jahren einem Haus beim Sterben zu. Eine Ruine wie auf dem Präsentierteller: Willkommen in Demmin. Den Besitzer scheint es nicht zu stören.

An der Baumannstraße in Stuterhof wirft das einst stattliche, nun das allmählich vergammelnde Haus von Tischlermeister Fritz Jockwich düstere Schatten auf den Bürgersteig. Nebenan in der Krautgasse geht das Ruineum munter weiter. Und an der Kreuzung von Goethe- und Schillerstraße hat man bei jedem Ampelrot reichlich Gelegenheit, sich über die Ruine des Zille-Hauses zu ärgern.

Private aufgepasst: Es könnte Geld geben

Es sind diese markanten Orte, die den Eindruck erwecken, Demmin stehe voller Ruinen. Dabei sind es wahrscheinlich nicht mehr als anderenorts: 65 „devastierte“, also verwüstete, abrissreife Gebäude listet das aktuelle Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) auf, im Entwurf vorliegend und Kompass für alle Sanierungspläne der nächsten fünf Jahre. 65 Ruinen, das sind im Verhältnis zum gesamten Bau-Inventar nicht viel. Laut aktueller Statistik hat die Hansestadt 2590 Wohngebäude, daran gemessen gelten gerade mal 2,5 Prozent als ruinös. Doch der Eindruck ist ein anderer, Dietmar Schmidt weiß das. „Hundert sanierte Häuser. Mittendrin zwei leere Ruinen. Von denen wird jeder sprechen.“

Mit der Aufnahme in das ISEK wolle man darum die Voraussetzung schaffen, über verschiedene Förderprogramme verstärkt Zuschüsse einzuwerben für den Abriss der Bauruinen. „Ziel ist natürlich, die Neubebauung der Grundstücke zu erleichtern. Und das Stadtbild zu verbessern.“ Auch private Eigentümer könnten von den Förderungen profitieren, ein anderer Weg sei der Ankauf solcher Problemgrundstücke durch die Stadt, um die Ruinen dann abreißen zu lassen und als Baugrundstück auszuschreiben.

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