Ärger um Ausbau der B 194:

Demmin sperrt sich gegen die Sperrung

Die B 194 gesperrt? Unmöglich! Aufgebrachte Demminer und Geschäftsleute, die um ihre Firmen fürchten, wollen nun eine Bürgerinitiative gründen. Ihr Ziel: eine Vollsperrung während des Großausbaus zu verhindern. Trotz des lautstarken Protests – das Straßenbauamt bleibt gelassen.

Die Kreuzung der B 194/Treptower Straße (rechts unten) mit der Deutsch Kroner Straße (links unten) soll zum Kreisverkehr ausgebaut werden. Hier beginnt im Frühjahr der geplante Großausbau der B 194.
Carsten Büttner Die Kreuzung der B 194/Treptower Straße (rechts unten) mit der Deutsch Kroner Straße (links unten) soll zum Kreisverkehr ausgebaut werden. Hier beginnt im Frühjahr der geplante Großausbau der B 194.

Mirko Schmenkel ist eigentlich ein freundlicher Mann. Aber im Moment hat er so richtig Wut im Bauch. Wut auf das Güstrower Straßenbauamt, das ab kommendem Frühjahr mit dem Großausbau der B 194 im Stadtgebiet beginnen will und die Bundesstraße dafür mal eben so für zwei Jahre dichtzumachen plant.

Schmenkels Baumschul-Center liegt mitten im Sperrbezirk an der Stavenhagener Straße. Kunden hätten während der Bauarbeiten doch kaum eine Chance, mit dem Auto sein Geschäft zu erreichen. Und das will der Gielower sich nicht gefallen lassen. „Es ist ja schon mal ein Unding, dass uns hier niemand informiert“, wettert Schmenkel. „Man erfährt das zufällig aus der Zeitung, dass die hier mal eben so eine Vollsperrung planen.“

Sparen - auf Kosten anderer

Für ihn und andere Gewerbetreibende an der Straße von Vorwerk bis in die Innenstadt wären die Folgen brutal: „Ich kann mir das einfach nicht leisten, hier mal für fünf Monate den Laden abzuschließen.“ In der nächsten Woche will Schmenkel zusammen mit dem Vorwerker Gerüstbauer Michael Radloff Gleichgesinnte zusammentrommeln, um eine Bürgerinitiative gegen die Straßensperrung gründen. „Unser Ziel ist es, eine halbseitige Regelung zu erreichen“, sagt der Händler.

„Mir kann keiner erzählen, dass es diese Alternative nicht gibt. Das ging überall, in Gnoien, in anderen Städten. In der Innenstadt – gut, da mag es sein, dass der Platz nicht reicht. Aber hier draußen – rechts und links Wiesen. Da muss man eben eine Behelfsstraße aufschütten. Die wollen einfach Kosten sparen.“

Rettungswagen und Feuerwehr im Abseits

Gegenwind dürfte den Straßenverwaltern auch aus anderer Richtung ins Haus wehen. Das Krankenhaus hat schon protestiert. Wenn es in Vorwerk oder in einem der stadtnahen Dörfer zum Notfall kommt, müsste das Krankenhaus Malchin einspringen. Die Rettungswagen bräuchten von dort fast eine halbe Stunde.

Auch die Feuerwehr fordert offene Rettungswege. „Sollte es wirklich zur Sperrung kommen, müssten wir sonst die Ausrückeordnung umschreiben“, sagt Stadtwehrführer Thomas Rohleder. „Wir können ja dann für den Bereich Vorwerk und südöstlich von Demmin nicht mehr gewährleisten, schnell genug vor Ort zu sein. Selbst über Sanzkow sind es mindestens 25 Minuten. Und wir dürften über die Brücke mit schweren Fahrzeugen gar nicht rüber.“

Dem Chef des Güstrower Straßenbauamts, Roland Normann, erzählt man mit diesen Argumenten freilich nichts Neues. „Alles richtig, nur ändert das an unseren technischen Zwängen nichts“, sagt er. Eine Methode, Straßen über Nacht fertigzubauen, sei leider noch nicht erfunden worden. „Die Loitzer mussten zwei Jahre lang mit einer Brückenbaustelle leben, da konnten auch keine Autos über die Peene. Es ging auch. Und es wird auch in Demmin gehen.“