Gesundheitswesen:

Demminer Krankenhaus "kränkelt" an roten Zahlen

Die Qualität der medizinischen Versorgung gilt als hoch, doch finanziell geht es derzeit abwärts. Allerdings will die Demminer Klinikverwaltung mit verschiedenen Maßnahmen diesen Trend umkehren.

OP Im Kreiskrankenhaus: Kein Mangel an Qualität, aber teils an Zuweisungen.
Georg Wagner OP Im Kreiskrankenhaus: Kein Mangel an Qualität, aber teils an Zuweisungen.

Das Kreiskrankenhaus Demmin rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. In diesem Jahr wird es voraussichtlich zum dritten Mal in Folge mit einem Verlust abschließen, und der fällt höher aus als in den beiden Jahren zuvor. Im prognostizierten Jahresergebnis steht unter dem Strich ein Minus von rund 2,5 Millionen Euro. Dennoch sieht Geschäftsführer Ulrich Staack die finanzielle Lage des Hauses noch nicht als bedrohlich an. Denn wie schon in den vergangenen Jahren falle der tatsächliche Verlust am Ende wahrscheinlich geringer aus als die Prognose. „Davon gehe ich fest aus“, sagte er in einem Gespräch mit dem Nordkurier. Und zum anderen verfüge das Krankenhaus noch über genügend Rücklagen, um das Defizit aufzufangen. „Dafür spart man in guten Jahren.“

Als Ursachen für die gegenwärtige finanzielle Schieflage macht er gleich mehrere Faktoren aus. So stiegen nach seiner Auskunft die Tarife in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark an wie das Budget. „Wir haben jede tarifliche Entwicklung mitgemacht, auch in diesem Jahr.“ Dazu kommen generelle Probleme in der Finanzierung des Gesundheitswesens. In der Rheumatologie etwa hätten die Krankenkassen zahlreiche stationäre Behandlungen herausgerechnet und nicht bezahlt, weil ihrer Auffassung nach eine ambulante Behandlung genügt hätte. Dazu komme die demografische Entwicklung. Schließlich und endlich schlägt laut Staack auch die Kreisgebietsreform zu Buche. Weil für die vom Altkreis Demmin abgespaltenen Amtsbereiche Jarmen-Tutow und Peenetal-Loitz mittlerweile die Rettungsleitstelle Greifswald zuständig sei, würden mehr Notfall-Patienten dorthin überwiesen. Auch der Kassenärztliche Notdienst könnte in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen, meint er.

Das sieht der Demminer Frauenarzt Dr. Fridjof Matuszewski, der seitens der Kassenärztlichen Vereinigung die Rufbereitschaft mit organisiert hat, anders. Zwar seien die Notdienstbereiche Jarmen und Loitz Richtung Greifswald „gewandert“, doch sei die Zahl der Überweisungen ins Krankenhaus hier zu gering, um eine wesentliche Rolle zu spielen. „Das Problem ist nicht der Bereitschaftsdienst, sondern die Normalzuweisungen“, meint Matuszewski. Dabei ist ihm bewusst, dass das Kreiskrankenhaus kein Qualitätsproblem hat. „Demmin leistet eine sehr gute Qualität“, weiß er auch aus Erfahrung in der eigenen Familie.

Das bestätigten laut Ulrich Staack auch Umfragen zur Patientenzufriedenheit, und das hat sich offenbar auch beim Landkreis herumgesprochen, dem einzigen Gesellschafter des Krankenhauses. Sowohl Staack als auch der Leiter des kreisliche Amtes für Finanzen, Axel Chudy, bestätigten dem Nordkurier, dass Landrat Heiko Kärger (CDU) ein klares Bekenntnis zum Verbleib des Demminer Krankenhauses in kommunaler Trägerschaft abgegeben habe. Zumal auch Chudy um die Rücklagen des Hauses weiß. Sie reichten noch aus, um den drohenden Verlust zu decken, sagte er. Ein Verlustausgleich durch den Kreis sei deshalb in dessen neuem Haushalt nicht eingeplant. Allerdings wird das seit Jahresbeginn als gemeinnützige GmbH geführte Krankenhaus über kurz oder lang seine Finanzen sanieren müssen.