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Demminer Retter geben dem Kreis zu denken

Aus der Sicht der Demminer Notärzte hat sich das geltende Rettungsdienstgesetz bewährt. Allerdings könnte manches noch besser funktionieren. Vorschläge dafür legte jetzt das Krankenhaus auf den Tisch.

Der Hubschrauberlandeplatz am Demminer Kreiskrankenhaus ist eigentlich nachtflugtauglich gebaut. Starten und landen dürfen die Helikopter dort trotzdem nur bei Tageslicht.
Georg Wagner Der Hubschrauberlandeplatz am Demminer Kreiskrankenhaus ist eigentlich nachtflugtauglich gebaut. Starten und landen dürfen die Helikopter dort trotzdem nur bei Tageslicht.

Der Anruf kam im ungünstigsten Augenblick. Andreas Zeuner durfte nicht lange fackeln. „Ich muss Sie abwürgen“, sagte er ohne Umschweife ins Telefon. Denn der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes war gerade auf dem Weg zu einem Notfalleinsatz. Mittwochnachmittag, ein normaler Tag für ihn.

Allein die am Demminer Kreiskrankenhaus stationierten Notärzte fahren durchschnittlich 2,5 bis 3 Einsätze täglich. „Es kann auch einmal nur einer oder es können auch einmal sieben sein“, weiß dessen Geschäftsführer Kai Firneisen. In den nächsten Jahren wird diese Zahl wohl noch steigen. Denn die Bevölkerung wird älter. Länger als zehn Minuten sollten die Retter im Notfall nach den geltenden Regelungen nicht brauchen, bis sie nach dem Eingang des Notrufs beim Patienten ankommen. Das will das Land nun mit der Novellierung des Rettungsdienstgesetzes ändern, doch die Pläne sind derzeit im Landkreis umstritten.

Demmin? Alles top!

Dabei wäre eine Änderung zumindest aus Sicht der Demminer Notärzte offenbar gar nicht nötig. In etwa 80 Prozent aller Fälle werde die Frist eingehalten, stellte Kai Firneisen im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistags ihre Sicht der Dinge dar. „Das Rettungsdienstgesetz hat sich grundsätzlich bewährt.“ Verbesserungen aber halten auch Firneisen und „seine“ Notärzte für möglich.

Laut einer Statistik des Sozialministeriums liegt indes der Rettungsdienst des Seenplatte-Kreises bei der Einhaltung der Rettungsfristen landesweit auf dem vorletzten Platz. Um diese Bilanz zu verbessern, könnten in abgelegenen Dörfern besonders ausgebildete Ersthelfer die zeitliche Lücke schließen, schlug Firneisen nun vor. Zudem könnten niedergelassene Ärzte eingebunden und die Flugzeit des Rettungshubschraubers auf die Nacht ausgedehnt werden. Von der technischen Ausstattung wäre er dazu in der Lage, auch der Landeplatz am Kreiskrankenhaus sei nachtflugtauglich gebaut worden. Nötig wäre allerdings ein zweiter Pilot – und das ist eine Finanzierungsfrage.

Viele Einsätze sollen unnötig sein

Darüber  hinaus wäre laut Firneisen aber in vielen Fällen gar kein Notarzt nötig, in denen ihn Betroffene in relativer Panik rufen. Die Mitarbeiter der Leitstelle sollten deshalb weiter geschult werden, um schon am Telefon erkennen zu können, ob er tatsächlich gebraucht wird. „Die Notarztstandorte reichen aus“, fasste er die Lage zusammen. „Aber wir verschwenden Ressourcen.“

Manches von dem, was er vortrug, trifft sich mit der Auffassung der Grünen im Kreistag. Punkte wie das auch von Firneisen abgelehnte „Aufweichen“ der Rettungsfrist oder der Einsatz von Ersthelfern tauchen in einem von ihnen eingebrachten Antrag auf, der den Anlass für die Diskussion im Ausschuss gegeben hatte. Eine Mehrheit fand er dort aber nicht – trotz leidenschaftlicher Verteidigung durch den Grünen Kilian Schneider. Die meisten übrigen Ausschussmitglieder fanden einiges darin zu unausgegoren oder widersprüchlich.

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