:

Demminer setzen Zeichen gegen Rechts

Mit einer Kranzniederlegung will die Stadt Demmin am 8. Mai um 9 Uhr auf dem Friedhof der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedenken. Auch ein Zeichen gegen Rechts? Das fragte Georg Wagner bei Bürgermeister Michael Koch nach.

Michael Koch: Die Kranzniederlegung ist auch Bestandteil unseres Protestes gegen menschenverachtende Denkweisen.
Georg Wagner Michael Koch: Die Kranzniederlegung ist auch Bestandteil unseres Protestes gegen menschenverachtende Denkweisen.

Bisher war es in Demmin nicht üblich, am 8. Mai Kränze auf dem Friedhof niederzulegen. Weshalb hat sich die Stadt nun zu diesem Schritt entschlossen?

Bereits in den Vorjahren wurde der 8. Mai als weiterer denkwürdiger Tag in der Demminer Geschichte genutzt, um an das Leid und die Opfer besonders des Zweiten Weltkrieges zu erinnern und zu mahnen. Seit Jahren werden an unterschiedlichen Gedenkstätten Kränze niedergelegt, das ist bereits seit Langem eine Tradition.

Mit der Kranzniederlegung soll unter anderem der 1945 ums Leben gekommenen Demminer gedacht werden. Die Tragödie mit massenhaften Suiziden ereignete sich 1945 aber bereits Ende April und Anfang Mai beim Einmarsch der Roten Armee. Wäre da nicht der 1. Mai der bessere Tag für die Gedenkveranstaltung?

Die Tragödie mit den massenhaften Suiziden in Demmin ereignete sich in den April- und Maitagen des Jahres 1945. Besonders zwischen dem 1. und dem 3. Mai 1945 nahm die Zahl der Suizide massenhaft zu. Nach dem 3. Mai begann die Bergung und anschließende Beerdigung der vielen Toten. Aus dieser Tatsache können Sie erkennen, dass es keinen Tag „X“ gab. Der Zeitraum streckte sich über Tage und Wochen.

Bekanntermaßen missbrauchen Rechtsextreme den 8. Mai seit einigen Jahren für ihren sogenannten „Ehrendienst“ und werden es wohl auch in diesem Jahr wieder tun. Inwieweit ist die Kranzniederlegung auf dem Friedhof als Zeichen dagegen zu verstehen?

Sehr wohl ist die Kranzniederlegung auch Bestandteil unseres Protestes gegen menschenverachtende Denkweisen. Gedenkstätten sind Mahnstätten für den Frieden. Dies wollen mir mit unserem Handeln zum Ausdruck bringen.

Wo genau auf dem Friedhof findet die Kranzniederlegung statt?

Der eigentliche Ort ist auf dem 45er-Gräberfeld, vor der Stele, die unter Mithilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und weiterer Partner einer dringend notwendigen Restaurierung unterzogen werden soll. Auch an anderen Grabstätten werden von unterschiedlichen Organisationen Gebinde/Kränze niedergelegt werden.

Welche Aktionen wird es darüber hinaus am 8. Mai geben, um der zu erwartenden Demonstration der Rechten etwas entgegen zu setzen?

Im Präventionsrat der Hansestadt Demmin wurde beschlossen, am 8. Mai von 15 bis 16.30 Uhr auf dem Marktplatz mit Vereinen, Verbänden und anderen Teilnehmern die Aktion „Demmin bewegt sich“ durchzuführen. Anschließend, um 17 Uhr, wird ein Friedensgebet in St. Bartholomaei abgehalten. Weiterhin wird es durch andere Organisationen vorbereitete Mahnwachen und den historischen Stadtrundgang geben.

Kommentare (1)

Das siebente Jahr in Folge soll es am 8. Mai einen "volkstreuen Trauermarsch" in der Hansestadt Demmin geben. Ein Trauerkranz am Abend in der Peene sollte bisher an den "größten deutschen Massenselbstmord" erinnern. Doch schon am Morgen des diesjährigen Tags der Befreiung wird ein Gedenkkranz der Stadt Demmin auf dem 45er-Gräberfeld niedergelegt. Vor der Stele, die unter Mithilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und weiterer Partner einer dringend notwendigen Restaurierung unterzogen werden soll. "Über sieben Brücken musst du geh'n, sieben dunkle Jahre übersteh'n, siebenmal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein." Braucht es da noch einen "volkstreuen Trauermarsch"? „Demmin bewegt sich“ am 8. Mai von 15 bis 16.30 Uhr auf dem Marktplatz und es wird den historischen Stadtrundgang der anderen Organisationen geben...