Ungewöhnliches im Tierheim:

Demminer Tierschützer sind jetzt aufs Huhn gekommen

Hunde, Katzen, auch mal ein Pferd oder eine Schildkröte hat der Tierschutzverein der Hansestadt bei sich aufgenommen. Mit Hühnern, die aus Legebatterie stammen, haben sie noch keine Erfahrungen. Doch die sammeln sie jetzt.

Kerstin Lenz bereitet alleine das Beobachten ihrer Neuzugänge große Freude. Zum ersten Mal leben in dem Demminer Tierheim Hühner. Foto: Jana Otto
Jana Otto Kerstin Lenz bereitet alleine das Beobachten ihrer Neuzugänge große Freude. Zum ersten Mal leben in dem Demminer Tierheim Hühner. Foto: Jana Otto

Er stolziert über den Hof, als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes getan. Den Kopf ganz oben, ein Auge immer auf die Schar um ihn herum gerichtet. So natürlich diese Situation erscheinen mag, für den Hahn ist sie das nicht. Denn er und mit ihm gleich zehn Hühner sind erst seit ein paar Wochen auf dem Gelände des Demminer Tierschutzvereins. „So etwas hatten wir hier auch noch nicht“, sagt deren Vorsitzende Kerstin Lenz lachend. Sie ist glücklich, dass es den gefiederten Tieren so gut geht. Denn das ist alles andere als selbstverständlich.

Die Hühner stammen aus einer Legebatterie nahe Hamburg und würden heute normalerweise schon längst nicht mehr leben. „Mit einem Jahr werden sie dort entsorgt“, schildert Kerstin Lenz. Während ihres kurzen Lebens hat jedes Huhn in der Anlage durchschnittlich 325 Eier gelegt. Da diese Leistung dann aber rapide sinkt, werden die Hühner regelmäßig ausgetauscht. Ein Zustand, der Tierschützer in ganz Deutschland immer wieder beschäftigt und gegen den sie ankämpfen – und das ganz praktisch. „Es gibt Organisationen, die kaufen die Tiere für einen Cent heraus und suchen dann Menschen, die sich um sie kümmern“, weiß Kerstin Lenz. Ein befreundetes Tierheim nahe Rostock hat im vergangenen Jahr solche Hühner bei sich aufgenommen und gute Erfahrungen gemacht. Heute gackern einige Tiere eben auch in Demmin. „Wir wissen, dass es sein kann, dass sie nicht lange leben, doch alle haben überlebt“, sagt Kerstin Lenz glücklich. Die Tierschützerin hat es in ihrer Arbeit bereits mit allen möglichen Geschöpfen zu tun gehabt, Hühner waren aber bislang nicht darunter. Völliges Neuland also.

Auch wenn Kerstin Lenz weiß, dass die Hühner wahrscheinlich keine zehn Jahre alt werden, sollen sie zumindest die Zeit, die ihnen noch bleibt, ein glückliches Leben führen. „Sie bleiben hier, bis sie an Altersschwäche sterben und landen nicht im Topf“, sagt sie schmunzelnd. Die Eier, die sie legen, sind ein netter Nebeneffekt, mehr aber auch nicht.

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