Tag des offenen Denkmals:

Demminer Ulanen zwischen den Fronten

Um „unbequeme" Orte soll es am Tag des offenen Denkmals am 8. September gehen. In Demmin steht da einiges zur Auswahl: das Ulanendenkmal, der Barlachplatz, die Kanone nebenan. Unbequem? Das wird man sehen.

Auch die Ulanenkanone am Bebelplatz wird zum diesjährigen Denkmaltag eine Rolle spielen. Das Motto am 8. September lautet: Unbequeme Denkmale.
Auch die Ulanenkanone am Bebelplatz wird zum diesjährigen Denkmaltag eine Rolle spielen. Das Motto am 8. September lautet: Unbequeme Denkmale.

Die Aktion riecht nach Debatte. Auf das Areal rings um den Barlachplatz wird sich der bundesweite Tag des offenen Denkmals in diesem Jahr konzentrieren in Demmin. Denn der Barlachplatz zählt nicht nur zu den geschichtsträchtigen Orten der Hansestadt, er trug und ertrug im Lauf der letzten hundert Jahre auch Denk- und Mahnmale, an denen sich bis heute die Geister scheiden. Der einstige Obelisk der ruhmreichen Sowjetarmee, 1995 abgerissen, stand einst dafür. Stattdessen bricht sich heute die Marmorlilie des Bildhauers Günter Kahden aus den stilisierten Betonschollen, den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gewidmet. Ihr gegenüber ragt der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf, ein Klotz im Stil der nationalpathetischen Kaiserverehrung aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Die Bedeutung solcher Gedächtnisorte im ideologiegetränkten Kontext von Krieg und Militärtradition, Opfergedenken und Heldenpathos ins öffentliche Bewusstsein zu rücken ist Ziel einer Aktion, die der Trägerverein am bundesweiten Denkmaltag plant – maßgeblich organisiert von Petra Clemens, Museumsmitarbeiterin und Kunsthistorikerin. Doch auch die Katholische Kirche und der Bibliotheksverein beteiligen sich an dem Programm – unter anderem öffnet an diesem Tag die Hanse-Bibliothek zu einer Lesung mit dem Autor Karl Schlösser.

Woraus Schlösser vortragen wird, ist unschwer zu erraten: Der aktuelle Band seiner „Fußnoten Demminer Geschichte“ enthält ein bissig-ironisches Kapitel zum Thema Ulanenkult in Demmin. Und vor allem an der Kanone auf dem Bebelplatz vor der Bibliothek, im Gedenken an die Militärgeschichte der Ulanenstadt Demmin aufgestellt, gehen die Meinungen auseinander.

Nicht dass die Kanone nur Gegner hätte in Demmin. Sie hat auch viele Verfechter in Demmin, zweifelsohne. Darüber ins Gespräch zu kommen, darum geht es den Organisatoren des Denkmaltages an diesem polarisierenden Platz. Nicht nur kontrovers, sondern – hoffentlich – auch aufeinander hörend.

Ein weiterer „unbequemer“ Ort schließlich, den dieser Denkmaltag „öffnen“ will, steht unweit des Bebel- und Barlachplatzes: das Ulanendenkmal am Ende der Bergstraße. Wie sonst wohl nur die vor Jahresfrist aufgestellte Kanone spaltet das Memorial sein Publikum in zwei Lager: Die einen bewundern es und würden am liebsten das 1946 zerstörte Reiterstandbild wieder rekonstruieren lassen. Die anderen verdammen es als nationalistische Kriegsverherrlichung, regelmäßig werden die martialisch wirkenden Feldsteine mit Farbe bemalt.

Das Denkmal birgt schon in sich all das Wohl und Wehe dieser Art von militärischem Gedenken. Errichtet 1924 zu Ehren der Gefallenen des 2. Pommerschen Ulanenregiments, stilisierten es die Nazis nach 1935 zum Weiheort ihres rassistischen Germanenkults hoch. Nach dem Krieg verwüsteten die Russen das Denkmal, in der DDR-Zeit war es aus dem öffentlichen Bewusstsein der Stadt verschwunden. Erst nach der Wende ließ die Stadt Demmin es wieder herrichten. Ein umstrittener Ort ist es geblieben – geachtet, doch wohl kaum von jemandem geliebt...