Archäologen decken auf:

Demminer Ur-Markt lag zwei Meter tiefer!

Die archäologischen Ausgrabungen an der Ostseite des Demminer Marktes sind nun abgeschlossen. Sie brachten eine erstaunliche Erkenntnis: Die Topografie des Platzes hat sich in vielen hundert Jahren kaum verändert!

In der Baugrube des künftigen Seniorenhauses kamen Fundamentreste aus dem frühen 13. Jahrhundert zum Vorschein - Reste der ersten Demminer Marktplatz-Bebauung.
Ernst Wellmer In der Baugrube des künftigen Seniorenhauses kamen Fundamentreste aus dem frühen 13. Jahrhundert zum Vorschein - Reste der ersten Demminer Marktplatz-Bebauung.

Umgeschrieben muss die Stadtgeschichte nun zwar nicht werden nach den Ausgrabungen, die Archäologe Reiner Fenske und sein Team in Begleitung der Bauarbeiten am Markt vornahmen und jetzt auch abgeschlossen haben. Doch das Riesenpuzzle der frühen Tage Demmins ist nun wieder um etliche Teile vollständiger.

Aus dem Quartier vor dem Kirchplatz und St. Bartholomaei lagen bisher kaum archäologische Befunde vor. Nun weiß man anhand der freigelegten Fundamente, Kellergewölbe- und Mauerreste aus Feldstein und Klosterformat-Ziegeln, dass dort an der Ostseite des Marktes schon im 13. Jahrhundert erste massive Häuser erbaut worden sind – und das schon in jener Ausrichtung, die den Platz immer noch prägt. So viel anders als heute sah Demmins mittelalterlicher Markt also gar nicht aus – und er hatte für die damalige Zeit geradezu grandiose Ausmaße! Selbst die Tückmantelgasse gab es in ihrer heutigen Lage wohl von Anfang an – die Wissenschaftler stießen auf Reste der allerersten, um die 700 Jahre alten Pflasterung.

Einen Unterschied gibt es aber doch: Die Eingangstüren der ersten Demminer Bürgerhäuser lagen damals noch fast zwei Meter tiefer. „Das Niveau des Marktquartiers stieg im Lauf der Zeit durch Aufschüttungen immer mehr, das kennt man aus vielen Städten“, sagt Fenske. „Neue Straßen wurden einfach über die alten drübergebaut, und die Orte wuchsen schlichtweg auf ihrem eigenen Bauschutt in die Höhe.“

Für Archäologen hat das sein Gutes. Was damals Schutt und Abfall war, ist heute Fundmaterial: Reiner Fenske und sein Team bargen Keramik-Fragmente, Glas, Reste alter Zapfhähne, mit denen man im Mittelalter Weinfässer ansteckte – sie ließen es sich gut gehen, die wohlhabenden Hansekaufleute am Demminer Markt. Nur ihr Geld, das haben sie entweder verprasst oder schlichtweg woanders vergraben: Münzen fand das Grabungsteam nämlich so gut wie gar nicht.

Altbürgermeister Ernst Wellmer, der während der Ausgrabungen mindestens einmal pro Woche an der Ostseite des Marktes vorbei schaute, um „einen Blick in die historische Unterwelt Demmins zu werfen“ – er würde sich freuen, wenn es nach der wissenschaftlichen Auswertung der Funde einmal einen Vortrag über die Marktplatz-Grabungen gäbe. „Vielleicht im Jubiläumsjahr. 875 Jahre Demmin, das wäre doch ein guter Anlass.“ Es liege zwar in der Natur der Sache, sei aber trotzdem schade, dass die Funde im Archiv des Landesamtes landeten und dann weg seien. „Die Baugrube gibts ja nun auch nicht mehr und das wars dann. Viele Demminer interessieren sich sehr für die Geschichte ihrer Stadt und würden sicher zu so einem Vortrag kommen. Zumal diese Ausgrabungen dort viel mehr historisch wertvolles Material erbrachten als erwartet.“

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