Katastrophe Katastrophen-Schutz?:

Den Wehren gehen die Fahrer aus

Der landesweite Trend macht auch um das Demminer Land keinen Bogen: Die Freiwilligen Feuerwehren werden älter und immer weniger Kameraden haben den für die Löschfahrzeuge nötigen Führerschein. Manche Gemeinde versucht zu helfen. Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Noch gibt es Fahrer für die Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren im Amtsbereich Demmin-Land. Aber wenn keiner mehr einen Führerschein hat, steht der Wehr das Wasser bis zum Hals
Georg Wagner Noch gibt es Fahrer für die Löschfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren im Amtsbereich Demmin-Land. Aber wenn keiner mehr einen Führerschein hat, steht der Wehr das Wasser bis zum Hals

Eigentlich müsste es um das Löschwesen in der Gemeinde Borrentin nach der Fusion der Löschtruppen aus Pentz und Gnevezow nicht schlecht bestellt sein. „Beim Ausrücken sind in der Regel 15 bis 20 Mann dabei“, sagt Wehrführer Thomas Gebel. „Das ist eine akzeptable Größe.“ Es gibt aber auch Schattenseiten – das Alter. Fahrzeuge, die in die Jahre gekommen sind, Kameraden, die auch nicht jünger werden und Gerätehäuser, die von der Unfallkasse beanstandet wurden. Und allmählich fehlende Fahrer. Der Gemeinde Borrentin geht es da nicht anders als den meisten anderen Gemeindefeuerwehren im Land. „Da sind wir alle nicht ausgenommen“, sagt Thomas Gebel. Er ist nicht nur Borrentiner Wehrführer, sondern auch Amtswehrführer im Bereich Demmin-Land und kennt aus dieser Funktion die Nöte der Brandschützer gut.

Bei 60 bis 70 Prozent der Freiwilligen Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern werden in der nächsten Zeit die Besitzer der nötigen Lkw-Führerscheine bis 7,5 Tonnen aus dem aktiven Dienst ausscheiden, erklärte jüngst Landesbrandmeister Hannes Möller. „Es ist wirklich fünf vor zwölf“, sagt auch Thomas Gebel. „In allen Belangen, was die Feuerwehr angeht. Das wird noch brisant.“

Die Gemeinde als Feuerwehr bei der Wehr

In Sommersdorf etwa ist einer der Fahrer unter 50, vier sind darüber. Ähnlich sehe es in Siedenbrünzow und Schönfeld aus, in Sternfeld halte es sich noch die Waage. Eines der  Probleme dabei: Wer einen der neueren Lkw-Führerscheine hat, muss ab 50 Jahre alle zwei Jahre zum Gesundheitscheck. Nicht nur der kostet Geld. Auf den heute üblichen Plastikkärtchen gibt es auch keinen Verlängerungsvermerk mehr. Vielmehr wird eine neue Karte nötig, und auch für die wird eine Gebühr fällig.

Um die Kameraden damit nicht völlig allein zu lassen, gibt manche Gemeinde  Zuschüsse. Utzedel hat bereits Geld für die gesundheitliche Untersuchung gezahlt, Borrentin gleichfalls. Das allein wird auf die Dauer aber wohl nicht reichen. Die Gemeinden müssten sich selbst überlegen, wie sie in Zukunft die Fahrbereitschaft ihrer Löschtruppen unterstützen können, wenn die Kameraden mit dem nötigen Lkw-Führerschein aus dem Dienst ausscheiden, meint die Verwaltungsleiterin des Amtes Demmin-Land, Christine Schubbe. Denn die Feuerwehr zählt zu den Pflichtaufgaben der Gemeinden. „Wenn der Führerschein überwiegend für die Feuerwehr benötigt wird, dann muss man überlegen, wie man es finanzieren kann.“

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