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Der High-Tech-Ofen ist jetzt aus

Die letzten Hoffnungen haben sich zerschlagen: Das High-Tech-Kraftwerk in Demmin wird zum Jahresende heruntergefahren und geht dann endgültig vom Netz. Für die Mitarbeiter sieht es düster aus.

Nichts mehr mit strahlenden Aussichten: Schon lange haben sich die Gewitterwolken über dem Biomasse-Heizkraftwerk in Demmin-Meyenkrebs aufgetürmt. Nun steht es vor dem endgültigen Aus.
Thoralf Plath Nichts mehr mit strahlenden Aussichten: Schon lange haben sich die Gewitterwolken über dem Biomasse-Heizkraftwerk in Demmin-Meyenkrebs aufgetürmt. Nun steht es vor dem endgültigen Aus.

Für die 15 Mitarbeiter des Biomasse-Heizkraftwerks in Demmin-Meyenkrebs wird Weihnachten in diesem Jahr kein Fest der Freude. Ihre Bescherung hatten sie gerade in der Post: die Kündigung. In dem High-Tech-Ofen geht zum Jahresende das Feuer aus. Das seit April 2011 zur Hagenower Unternehmensgruppe biotherm gehörende Kraftwerk, seit über einem Jahr in der Insolvenz, wird endgültig heruntergefahren.

„Ein derartiges Kraftwerk lässt sich allein vom Stromverkauf nicht wirtschaftlich betreiben“, begründet Geschäftsführerin Ute Uffmann das Aus. Das sei eigentlich von Beginn an das Problem des Objekts gewesen. „Wir haben lange versucht, mit der Kommune ins Geschäft zu kommen, um das Stadtgebiet oder Teile davon mit Fernwärme zu versorgen. Leider hat die Stadt sich anders entschieden und in ein Blockheizkraftwerk auf Gasbasis investiert.“

Innovative Technik nutzt nichts

Die Fernwärme-Blockade brachte schon die Betreiber vor Biotherm in wirtschaftliche Probleme. Das am 3. Juni 1999 auf dem Gelände der früheren Demminer Zuckerfabrik in Betrieb genommene Super-Kraftwerk, eine Investition von damals 50 Millionen Mark, galt mit seiner innovativen Technik und der Rauchgasreinigung als eine der modernsten Anlagen seiner Art in Europa. Hier konnte Holz fast aller Schadstoffklassen verfeuert werden, doch heraus kam dabei fast ausschließlich Strom. Die elektrische Leistung von fünf Megawatt reichte rechnerisch für den Jahresbedarf von 10 000 Haushalten. Dem Kraftwerk reicht es nicht.

Ausgelegt war dessen Konzept nämlich immer auch auf Fernwärmeabgabe – bis zu 24 Megawatt thermische Dauerleistung schaffen die beiden Verbrennungslinien vorzuhalten. Der Großofen hätte locker die gesamte Stadt heizen können. Es gab ungezählte Verhandlungen darüber. Doch südlich der Peene, von Meyenkrebs aus gesehen am gegnerischen Ufer, regieren die Stadtwerke. Das kommunale Unternehmen kämpft selbst um jedes Haus, um die eigene Fernwärme profitabler zu machen. Die Hagenower bekamen hier, wie schon die anderen Betreiber zuvor, nie einen Fuß in die Tür.

Hoffnungsschimmer Klärschlamm

Im Frühjahr 2013 meldete Biotherm für das Demminer Holzkraftwerk Insolvenz an. Zuletzt gab es einen Hoffnungsschimmer: Man wollte Klärschlamm trocknen, technisch ist die Anlage dafür ausgelegt, und es hieß bereits, die Nehlsen-Gruppe sei interessiert. „Wir waren dazu bereit“, sagt Ute Uffmann. Doch das Geschäft kam nicht zustande, und für weitere Alternativ-Konzepte fand sich kein Investor.

Der Biotherm-Chefin tue es vor allem für die Mitarbeiter leid, sagt sie. „Das ist alles sehr bitter. Wir haben als Unternehmen natürlich auch eine Menge Geld verloren, aber wirklich traurig ist es für die Leute. Wie es in Demmin mit Arbeit aussieht, weiß man ja. Wir haben darum allen betroffenen Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung in unserem Kraftwerk in Hagenow angeboten. Das liegt nun leider aus Demminer Sicht nicht gerade nebenan, man müsste sicher umziehen. Aber wer dazu bereit ist, den werden wir in Hagenow einstellen, sofern uns bis Mitte Dezember eine Bewerbung vorliegt.“