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Der Käptn tritt ab - zu seiner Mannschaft

Michael Koch, Demminer Bürgermeister und nebenberuflich Korvettenkapitän der Reserve, muss sich am Mittwoch im Rathaussaal an einen neuen Platz gewöhnen. Erstmals sitzt er nicht mehr im Präsidium des Stadtparlaments, das nun mit einer Nachwende-Tradition bricht.

Vorbei: Aus dieser Perspektive begleitete Bürgermeister jahrelang die Sitzungen des Stadtparlaments.
Thoralf Plath Vorbei: Aus dieser Perspektive begleitete Bürgermeister jahrelang die Sitzungen des Stadtparlaments.

Fotografen und Kameraleute wissen es: Oft hilft ein Wechsel der Perspektive, Gewohntes plötzlich mit ganz neuen Augen zu sehen. Vielleicht geht es am Mittwochabend auch Bürgermeister Michael Koch (CDU) so: Zum ersten Mal seit der Wende wird der Demminer Rathauschef in einer Sitzung des Stadtparlaments nicht mehr im Präsidium sitzen, sondern bei seiner Rathausmannschaft.

Koch gab damit einer Kritik nach, mit der vor allem die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) öffentlich am Stuhl des Bürgermeisters neben dem Stadtpräsidenten zu „sägen“ begonnen hatte. Eine selbstbewusste Stadtvertretung müsse der Öffentlichkeit sichtbar machen, dass es eine Trennung gibt zwischen Exekutive und gewählter Legislative, begründete UWG-Fraktionschef Eckhardt Tabbert. Der sei keineswegs persönlich gegen den Bürgermeister gerichtet, sondern gegen ein Symbol: „Das gibts weder in anderen Stadtvertretungen noch im Kreistag, dass der Bürgermeister oder Landrat im Präsidium der gewählten Abgeordneten sitzt.“

Ein Schritt hinunter, statt langer Diskussionen

Kritik an dieser Position kam prompt – von CDU-Fraktionschef Thomas Witkowski. „Ich sehe im Vordergrund die Unterstützung des Bürgermeisters in der Stadtvertretersitzung. In den vergangenen Jahren hat sich dies immer wieder als sehr hilfreich erwiesen.“ Das Stadtparlament besitze genug Selbstbewusstsein und habe es nicht nötig, sich an solchen Formalien festzuhalten. Da hatte Michael Koch längst reagiert. Sich einem öffentlichen Streit um seinen Platz in den Sitzungen des Parlaments auszusetzen, darauf hatte der Rathauschef offenbar wenig Lust: Es bedürfe keiner langen Diskussion, um die gewünschte Änderung in der Sitzordnung herbeizuführen, ließ Koch mitteilen. Ab der nächsten Sitzung werde er bei „seinen“ Mitarbeitern Platz nehmen, schrieb er. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Stadtvertretung weit wichtigere Themen zu beraten und zu entscheiden hat.“

Nicht so cool steckt Altbürgermeister Ernst Wellmer (CDU) die „Verbannung“ des Stadtoberhaupts weg. Kein Wunder, geht die Regelung geht auf seine frühen Amtstage zurück. Der angebliche „Premiumplatz“ sei bisher kein Problem gewesen, findet der 63-Jährige. „Entstanden ist die Sitzordnung in der Nachwendezeit, in der auch der Bürgermeister zunächst stimmberechtigtes Mitglied der Stadtverordnetenversammlung war und den Platz neben dem Stadtverordnetenvorsteher zugewiesen bekam. Das wurde so beibehalten und hat sich auch ganz praktisch bewährt.“ Denn die räumliche Nähe zum Präsidenten habe oft kurze Hinweise zu Abstimmungen, zu Erläuterungen seitens der Verwaltung  möglich gemacht, so Wellmer.