Weniger Geld für Tafel und Co:

Der Kreis will bei den Ärmsten sparen

Sie liefern Essen an Bedürftige und sorgen für warme Kleidung im Winter – jetzt aber drohen sie selbst leer auszugehen. Tafeln, Begegnungsstätten und Kleiderkammern sollen von der kreislichen Unterstützung ausgeschlossen werden.

Schöne Bescherung: 10 Tonnen Kartoffeln bekam die Tafel gerade gespendet. Da packen alle gern mit an.
Georg Wagner Schöne Bescherung: 10 Tonnen Kartoffeln bekam die Tafel gerade gespendet. Da packen alle gern mit an.

Schöne Bescherung für die Demminer Tafel: Rund zehn Tonnen in Säcke abgepackte Speisekartoffeln bekamen sie gerade geliefert – eine Spende des Spargel- und Kartoffelhofs für die Demminer Tafel. Die können deren Mitarbeiter gut brauchen, jetzt in der kalten Jahreszeit und noch dazu vor den Festtagen. Menschen mit geringsten Einkommen gibt es schließlich genug in Demmin, und auch für den Mittagstisch der Tagesstätte muss die Diakonie sorgen. Dabei ist sie auf Spenden angewiesen. Zuwendungen vom Landkreis erhält die Tafel hingegen kaum. Höchstens für einmalige Zwecke, etwa wenn ein Fahrzeug repariert werden müsse. Und auch dann komme das in der Regel von kreiseigenen Betrieben, sagt der Leiter der Tafel und Tagesstätte, Günter Kny.

Diese relative Unabhängigkeit vom Etat des Landkreises könnte sich jetzt allerdings als Glück erweisen. Denn der überarbeitet derzeit seine Förderrichtlinie für Vereine und Verbände der freien Wohlfahrtspflege. Gedacht, so steht es im Entwurf, sind die Mittel für soziale Aktivitäten im Rahmen des Sozialgesetzbuches XII, insbesondere für niedrigschwellige Beratungs- und Betreuungsangebote. Ausdrücklich ausgenommen von dieser Förderung sind hingegen gesellige Zusammenkünfte, kulturelle Veranstaltungen, Feiern – aber auch Tafeln, Begegnungsstätten und Kleiderkammern.

Bei der Tafel gibt es doch nicht nur Essen

Gerade letzteres sorgte im Sozialausschuss des Kreistags schon für eine heftige Diskussion. Der Ausschluss sollte nur dann gelten, wenn an diesen Einrichtungen keine Beratung und Betreuung stattfinde, forderte Torsten Koplin (Die Linke) mit Unterstützung von Kilian Schneider (Grüne). Denn nach ihrer Auffassung verwischen sich oft die Grenzen – sind Begegnungsstätten oder Kleiderkammern Orte, an denen Bürger auch in sozialen Fragen beraten werden.

Genau darin besteht laut Sozialamtsleiterin Margit Juhnke der Auftrag des Kreises. Von ihm werde gefordert, die Beratung von Bürgern flächendeckend abzusichern. „Wenn wir weiter Begegnungsstätten in den Zentren unterstützen wie bisher, reicht es für die Beratung in der Fläche nicht mehr. Das aber steht im Gesetz: Beratung der einzelnen Bürger.“

Anders ausgedrückt: Die Beratung ist Pflicht, die Unterstützung von Vereinen wie den Tafeln hingegen freiwillig. Da ist es aus Sicht des Sozialamtes offenbar keine Frage, wohin im Fall knapper Mittel die Gelder zu fließen haben. Und knapp sind sie. 270 000 Euro wurden laut Margit Juhnke beantragt, aber nur 190 000 stehen zur Verfügung. „Da muss entschieden werden, wo gekürzt wird.“

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