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Der Schwarze Abt entpuppt sich als eine Luftnummer

VonGerald GräfeAn 74 Sommerabenden sollten die Klosterfestspiele jeweils 1000 Besucher nach Dargun locken. Doch der Vorhang für das Schauspiel hat sich nie ...

Wollten aus Dargun das Bayreuth des Nordens machen: Norbert Braun (links) und Reinhard Hellmann.  FOTO: Thomas Koch

VonGerald Gräfe

An 74 Sommerabenden sollten die Klosterfestspiele jeweils 1000 Besucher nach Dargun locken. Doch der Vorhang für das Schauspiel hat sich nie gehoben.

Dargun.Ein „handfestes, phantastisches Volkstheater“ wollten Norbert Braun und Reinhard Hellmann im Darguner Schloss aufführen. Zehn Jahre ist das her. Braun, als gealterter Ex-Darsteller des Seeräubers Klaus Störtebeker bei den gleichnamigen Festspielen auf Rügen, versprach dazu ein gleichwertiges Pendant. Das „Gemisch aus Abenteuer, Grusel, Realistik und Spaß“ sollte an 74 Sommerabenden je 1000 Besucher locken. Mit „kleineren Brötchen“ würde man dem kulturellen und religiösen Charakter der Anlage nicht entsprechen. „Nur Großes zieht Großes an“, war Hellmann überzeugt. Kompagnon Braun meinte, dass Dargun als Festivalort ähnlich bekannt werden könnte wie Bayreuth. 2,5 Millionen Euro seien vonnöten. An die „150 neu entstehende Arbeitsplätze“ wurden versprochen. Braun und Hellmann konnten damit die meisten Stadtvertreter begeistern. Über eine vom Arbeitsamt üppig dotierte Maßnahme fanden sie ihren Unterhalt. Von der Stadt wurde ihnen ein Büro zur Verfügung gestellt.
Die Rollen waren sofort verteilt: Hellmann wollte Regie führen, Braun den Hauptdarsteller mimen. Das sollte ein „Schwarzer Abt“ sein, den Gerhard Hagemeister als Dritter im Bunde erfand. Flugs war eine Gesellschaft gegründet. Auch hier waren die Posten der Geschäftsführer rasch verteilt – zwischen Braun und Hellmann. Nur das Risiko mochten sie nicht tragen: Sie wollten für 15 Jahre das Schlossgelände pachten – für 100 Euro im Jahr. Die Kommune sollte Toiletten und Parkplätze kostenlos stellen, die Außenanlagen pflegen und den Müll beseitigen. Unbeantwortet blieb, wer das Festival bezahlt. Hellmann tönte: „Wenn eine Idee gut ist, dann findet sich auch das Geld!“ Vorstellungen und Äußerungen, die auf wachsenden Unmut stießen.
Das zweijährige Szenario um die „Klosterfestspiele“ fand 2004 sein Finale: Zuerst verprellte Braun die Macher des Lichterfestes, für welches er als Schirmherr zugesagt hatte. Er habe den Termin falsch eingetragen und so „eine Sache zugesagt, die weiter weg ist.“ Besagte „Sache“ entpuppte sich als Engagement bei einem Festival im Sauerland. Das erfuhren die überraschten „Stadtväter“ aus dem „Nordkurier“. Parlamentarier und Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann mochten danach nicht mehr mit den vermeintlichen Festivalmachern weiter verhandeln. Braun und Hellmann kehrten aus ihrem „Urlaubs-Engagement“ nicht mehr nach Dargun zurück.
„Es war eine Luftnummer der Akteure“, urteilt Graupmann heute. Mit dem Abstand von zehn Jahren betrachtet, zeige sich, dass allein schon die nötigen Besucherzahlen für Dargun nie zu erreichen gewesen seien. „Ein Wettbewerb mit Rügen ist unrealistisch. Das hat die Entwicklung bestätigt. Das, was jetzt in der Schlossanlage läuft, ist das Machbare. Mehr geht nicht. Wir sollten nicht noch einmal irgendwelchen Träumen hinterher rennen.“