Weniger Stellen:

Der Weg aus der Sucht wird enger

Das Land will die Förderung für die Drogenberatung neu strukturieren. Betroffen davon wäre auch der Seenplatte-Kreis und mit ihm wohl Demmin. Wird in Zukunft an der Beratung gespart?

Auch im Demminer Land sind Menschen im Sog der Sucht gefangen. Bis zu 500 suchen mit Hilfe der Demminer Drogenberatungsstelle nach einem Ausweg. Foto: David Ebener
David Ebener Auch im Demminer Land sind Menschen im Sog der Sucht gefangen. Bis zu 500 suchen mit Hilfe der Demminer Drogenberatungsstelle nach einem Ausweg.

Hilfe gibt es dort, wo nicht einmal der Fahrstuhl hinkommt: Dritter Stock Ärztehaus, zwei Treppen höher, Dachgeschoss. Wer hierhin kommt, der ist oftmals fast am Ende. Denn hier unter dem Dach in der Demminer Adolf-Pompe-Straße ist die Drogen- und Suchtberatung der Greifswalder Odebrecht Stiftung untergebracht. Alkohol spiele dabei die herausragende Rolle, aber auch Patienten mit Drogenproblemen kämen, sagt Sylvia von Oppeln-Bronikowski. Die Diplom-Psychologin ist das neueste Mitglied im Team. Erst seit knapp zwei Wochen arbeitet sie in Demmin. Insgesamt sind es drei Fachkräfte, dazu kommt eine Verwaltungsangestellte.

Sie haben zu tun. Etwa 400 bis 500 Patienten würden in Demmin betreut, sagt Teamleiter Stefan Tessendorf. Dennoch ist derzeit offen, ob die Besetzung so bleiben wird. Denn das Land ist mit dem bestehenden Netz an Beratungsstellen nicht zufrieden. Manche Regionen seien gemessen an der Einwohnerzahl unterversorgt wie beispielsweise der Kreis Nordwestmecklenburg, sagt der Sprecher des Sozialministeriums, Christian Moeller. In anderen Kreisen gebe es im Verhältnis zu viele Berater. Deshalb werde die Förderung der Fachkräftestellen nun umstrukturiert.

Vier Stellen stehen vor dem Aus

Betroffen davon ist auch der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. 18 Fachkräfte sind hier derzeit in der Drogen- und Suchtberatung  und -betreuung tätig. Laut Landrat Heiko Kärger will das Land ab dem nächsten Jahr nur noch 14 davon fördern. De facto könnte das für vier Stellen das Aus bedeuten. Denn Land und Kreis bringen zu jeweils gleichen Teilen den Großteil der Finanzierung auf. Würde der Landkreis sie auf eigene Rechnung weiter führen, dann müsste er allein für die Stellen in Demmin zukünftig 57 000 Euro jährlich mehr zahlen. 

Das aber kann sich der klamme Kreis, in dessen Haushalten sich seit der Kreisgebietsreform die jährlichen Millionendefizite summieren, nach Einschätzung des Landrats kaum leisten. Von diesen politischen Diskussionen ist unter das Dach des Demminer Ärztehauses noch nicht viel durchgedrungen. Zwar gebe es einige Informationsschreiben des Landkreises, und Demmin müsse nicht unbedingt betroffen sein, sagt Teamleiter Tessendorf. Doch er weiß auch um die allgemeine Entwicklung im Kreis. „Die Tendenz geht dahin, dass es weniger Stellen geben wird. Wir wissen noch nicht, wie wir weiter planen sollen.“

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