Demminer wird Direktkandidat:

Eckhardt Tabbert will es noch mal wissen

Die Geschichte mit den verschwundenen Landtags-Wahlunterlagen hat Eckhardt Tabbert bis heute nicht verwunden, sie führte zum Bruch mit den Linken. Jetzt nimmt der Demminer noch einmal Anlauf in Richtung Schwerin: für die Freien Wähler. Späte Rache an den alten Genossen?

Hat viel nachgedacht auf seinem Lieblingsplatz an der Peene und dann eine Entscheidung getroffen: Eckhardt Tabbert.
Foto: Thoralf Plath Hat viel nachgedacht auf seinem Lieblingsplatz an der Peene und dann eine Entscheidung getroffen: Eckhardt Tabbert.

Der Demminer Eckhardt Tabbert wird sich zu den Landtagswahlen 2016 um ein Direktmandat bewerben - für die Freien Wähler Mecklenburg-Vorpommern: Eine Wahlversammlung in Güstrow hat ihn am Sonnabend zum Direktkandidaten im Wahlkreis 13 gekürt. Es ist Tabberts Heimat: Der Wahlkreis umfasst neben der Hansestadt auch die Ämter Demmin-Land, Peenetal-Loitz und Jarmen-Tutow, den Altkreis quasi. Hinzu kommen noch die Stadt Dargun und ihre Landgemeinden.

Ein Heimspiel wird es nicht für ihn. Trotz kommunalpolitischer Erfolge vor Ort traut mancher Wähler den Freien Wählern am großen Rad der Landespolitik immer noch weniger zu, und die etablierten Parteien werden im Wahlkampf auf ihre Marktmacht setzen. Tabbert weiß das, und lässt es kämpferisch klingen: „Natürlich kann ich in punkto Materialschlacht nicht mithalten, will ich auch gar nicht. Aber immer mehr Wähler suchen eine demokratische parteiunabhängige Alternative, und die wollen wir bieten. In Demmin haben wir gezeigt, dass wir uns für die Bürger einsetzen und auch etwas erreichen, wir haben als UWG frischen Wind in die Stadtpolitik gebracht, inzwischen lächelt über uns niemand mehr."

2011: Frustrierter Austritt aus der Partei

Bei Eckhardt Tabbert denkt man in Demmin sofort an die 2011 verschwundenen Wahlunterlagen – der Skandal schlug hohe Wellen und führte dazu, dass er eine erfolgversprechende Direktkandidatur für die Linken nicht antreten konnte. Tief frustriert trat Tabbert aus der Partei aus.

Auf die Frage, welche Rolle diese alte Geschichte bei seiner erneuten Kandidatur gespielt habe, lächelt der 65-Jährige vieldeutig. „Es ist nicht Rache oder Vergeltung oder sowas. Wer das denkt, liegt falsch. Aber ich will es jetzt noch einmal wissen und mich der Wahl stellen. Ein gewisses Gefühl der Genugtuung ist es schon, denn natürlich schmerzen die alten Wunden von damals noch, auch darum, weil sich niemand von den Linken um Aufklärung bemüht hat, später. Aber das ist Geschichte, wir arbeiten vor Ort als Fraktionen vernünftig und demokratisch zusammen. Ich habe vor meiner Entscheidung zur Kandidatur in den letzten Wochen mit vielen Leuten gesprochen, die Resonanz hat mir Mut gemacht.“