Kein Spaziergang zur Urne mehr:

Ein Dorf verliert sein Wahllokal

Wenn am Sonntag gewählt wird, müssen die Gnevezower zum ersten Mal ihr Dorf verlassen, um an die Urne zu kommen, denn ihr Wahllokal gibt es nicht mehr. Nicht alle im Dorf haben dafür Verständnis.

Das Gemeindehaus in Gnevezow hat als Wahllokal ausgedient.
Jörg Döbereiner Das Gemeindehaus in Gnevezow hat als Wahllokal ausgedient.

Für Helga Hausdorf war der Gang zur Urne bisher ein Spaziergang. Die Gnevezowerin ist mit ihren 74 Jahren noch gut auf den Beinen, und es sind nur wenige hundert Meter von ihrem Haus bis zum Gemeindehaus, dem Gnevezower Wahllokal. Doch das ist nun vorbei. Erstmals müssen sich die Gnevezower zum Wählen in das gut drei Kilometer entfernte Borrentin aufmachen.

Auch die Moltzahner und Wolkwitzer, die bisher in Gnevezow wählten, sind von der Änderung betroffen. Für Helga Hausdorf ist das offenbar kein Problem: „Meine Kinder kommen und holen mich ab, dann fahren wir gemeinsam nach Borrentin“, sagt sie. Trotzdem sieht sie den Wegfall des Gnevezower Wahllokals kritisch: „Für alte Leute wird es jetzt schwieriger.“ Bürgermeister Eckhard Wach verteidigt die Entscheidung der Gemeinde Borrentin, zu der Gnevezow gehört. „Bei der letzten Wahl waren es noch 44 Leute, die im Gemeindehaus wählen gingen“, sagt er. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, Wahlhelfer zu finden. Aufwand und Nutzen stünden da in keinem Verhältnis mehr. Schließlich habe er die Gemeindevertreter befragt und man habe sich entschieden, nur noch in Borrentin und in Pentz Wahllokale zu unterhalten.

Ein Gnevezower mittleren Alters, der anonym bleiben möchte, hat für diese Entscheidung wenig Verständnis. „Ich glaube, die Wahlbeteiligung wird nach unten gehen“, sagt er. Um das zu vermeiden, bietet die Gemeinde laut Eckhard Wach an, ihre Wähler auf Wunsch zur Wahlurne zu chauffieren – mit einem Mannschaftswagen der Feuerwehr.

Roland Gebel, der in dem letzten übrig gebliebenen Neubau in Gnevezow wohnt, ist in der Frage gespalten. „Von der Sache her ist das nicht gut“, meint er. Die Argumentation der Gemeinde kann er dennoch nachvollziehen. Er selbst will wählen gehen, so oder so: „Wenn das Wetter schön ist, fahre ich mit dem Rad hin.“