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Ein stiller Ort für das Gedenken

VonGeorg WagnerDie Gefallenen des Zweiten Weltkriegs rückt in Demmin die Gedächtniskapelle ins Licht der Erinnerung.Demmin.Wenn Menschen die Demminer Kirche ...

Immer wieder suchen Menschen die Gedenktafel für die Gefallenen in St. Bartholomaei auf.  FOTO: Archiv/Georg Wagner

VonGeorg Wagner

Die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs rückt in Demmin die Gedächtniskapelle ins Licht der Erinnerung.

Demmin.Wenn Menschen die Demminer Kirche St. Bartholomaei besichtigen, dann verweilen sie häufig in der Südwestecke des Turmraumes. Dort hängt, was einst für viele Leid bedeutete: Tafeln mit den Namen der Gefallenen der napoleonischen Kriege, des deutsch-dänischen, des deutsch-französischen Krieges; goldene Schriftzüge auf schwarzem Holz, letzte Zeugen gewaltsamer Tode. Geradezu filigran wirken daneben die längsten Listen, die des Zweiten Weltkriegs.
Im Jahr 2002 wurde die aus Plexiglas gefertigte Tafel enthüllt. Die alten Holztafeln unter der Nordempore waren durch Wurmbefall und Feuchtigkeit brüchig geworden, zudem wurde dort die Ausstellung über Otto von Bamberg aufgebaut. Mit der neuen Tafel in der Gedächtniskapelle rückten die verstorbenen Soldaten aber auch mehr ins Blickfeld.
Das war ihnen zuvor in vier Jahrzehnten verwehrt worden. Zwar musste auch die DDR im Zuge der KSZE-Verhandlungen in den 1970er-Jahren den dauernden Bestand von Kriegsgräbern anerkennen, doch gab es eine klare Rangfolge im Tode. „An erster Stelle standen die Gefallenen der sowjetischen Armee, dann kamen die in Deutschland gestorbenen Kriegsgefangenen, an letzter Stelle die gefallenen deutschen Soldaten“, weiß Hartmut Mandelkow um einen Rundbrief des früheren DDR-Kulturministers Klaus Gysi.
Mandelkow hat sich als Archivar der evangelischen Kirchengemeinde Demmin intensiv mit der Materie beschäftigt und mehrere Ordner dazu im Archiv. Das geht zurück auf den früheren Demminer Superintendenten Dr. Herbert Achterberg, der sich nach dem Krieg als Vertrauenspastor um die Kriegsgräber im vorpommerschen Bereich kümmerte. „Er hat akribisch Buch geführt“, sagt Mandelkow. Achterberg bewahrte wohl manchen vor dem Vergessen.
408 Namen verzeichnete die Tafel in der Gedächtniskapelle bei der Enthüllung. Mittlerweile sind auf Anregung Angehöriger weitere dazu gekommen. Offensichtlich wissen es die Familien zu danken. Die Kapelle sei gut besucht, hat Hartmut Mandelkow festgestellt. „Fast immer stehen Blumen dort.“

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g.wagner@nordkurier.de