Schwerin im Boot: Hoffnung für die Peene:

Eine Region kämpft um ihre Bundeswasserstraße

Der Kampf der Region gegen Absichten des Bundes, den „Amazonas des Nordens“ zur Nebenwasserstraße zu degradieren und sich so aus der finanziellen Verantwortung zu stehlen, kann auf Unterstützung des Landes hoffen. Das Energie-ministerium lehnt die Berliner Pläne ab.

Die Peene zwischen Demmin und dem Kummerower See. Deutlich zu erkennen die Begradigungen des Flusses aus den 1960er Jahren - damals begann die Bedeutung der Peene als Binnenwasserstraße rapide zu wachsen. Foto: Thoralf Plath
Die Peene zwischen Demmin und dem Kummerower See. Deutlich zu erkennen die Begradigungen des Flusses aus den 1960er Jahren - damals begann die Bedeutung der Peene als Binnenwasserstraße rapide zu wachsen. Foto: Thoralf Plath

„Die Peene muss Bundeswasserstraße bleiben, ohne Wenn und Aber. Was will die Politik uns hier noch alles abbauen und abwickeln? Den Schuss haben die doch wohl hoffentlich gehört in Berlin nach dem letzten Wahlergebnis.“ Es braucht nicht viel, Reinhardt Friedrichs in Fahrt zu bringen bei einem Thema, das längs der hundert schiffbaren Flusskilometer zwischen Malchin und Anklam seit Wochen viele Leute empört: Der Bund will die Peene aus Rentabilitätsgründen und wegen geringer prognostizierter Verkehrsmengen zur „Nebenwasserstraße außerhalb des Kernnetzes“ herabstufen. Und sich so nach Meinung vieler Anrainer aus der Verantwortung stehlen – für die weitere Bewirtschaftung und Unterhaltung des Flusses, für künftige Investitionen, für den Erhalt von Fahrwasser und Hafen-Infrastruktur. Selten war das mecklenburgisch-vorpommersche Peeneland sich in einem Punkt so schnell einig: Das lassen wir uns nicht gefallen.

Reinhardt Friedrichs, Chef der SPD-Fraktion im Stadtparlament, hatte schon kurz nach Bekanntwerden der Berliner Pläne einen Protestbrief an Landes-Infrastrukturminister Christian Pegel übergeben, als der in Demmin zum Jubiläum einer Biogasanlage für mehr Klimaschutz warb. Friedrichs hörte sich die Worte seines Parteifreundes geduldig an. Wichtiger war ihm dies: „Tut was in Schwerin, dass wir die Bundeswasserstraße behalten“, gab er Pegel mit der Demminer Petition auf den Weg. „Sonst gibt das hier richtig Ärger.“ Das sieht Friedrichs noch immer so. „Die Leute haben genug von solchen Hiobsbotschaften.“

Jetzt ist die Antwort aus Schwerin da

Das Peeneland kann auf Hilfe hoffen: Wenn es darum geht, den „Amazonas des Nordens“ als Bundeswasserstraße zu erhalten, sitzt Schwerin mit im Boot. Das auch für Wasserverkehr und Häfen zuständige Energieministerium lehnt eine Übernahme in Landesträgerschaft ab. Stattdessen setze man sich dafür ein, „dass sich der Bund zu seiner bestehenden Verantwortung uneingeschränkt bekennt“. Und seiner Pflicht nachkomme, die erforderliche Infrastruktur aller Bundeswasserstraßen bedarfsgerecht zu erhalten, schreibt Jens-Uwe Zingler, Referatsleiter für Seeverkehr, Häfen und Logistikwirtschaft.

Besonders verbindlich klingt das zwar nicht, Reinhardt Friedrichs wertet es trotzdem als Unterstützung. Der Ur-Demminer ist mit der Peene aufgewachsen, er kennt den Anblick der Binnenfrachter und Boote seit seiner Kindheit, sieht die drohende Herabstufung als Auftakt, den Küstenfluss von der Karte der norddeutschen Wasserwege zu tilgen. „Dann ist hier bald alles Naturschutzgebiet, und dann war’s das mit der Peene. Soweit darf es nicht kommen. Wir selbst hier vor Ort können nur wenig erreichen, wenn wir Schwerin nicht auf unserer Seite haben, und ich nehme den Brief als Signal, dass wir für die Peene als Bundeswasserstraße mit der Hilfe unserer Regierung rechnen können.“

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