Mobbing und Gewalt:

Eine Schule in Schockstarre

Nach dem Ausraster eines Drittklässlers an der Schönfelder Dorfschule, der mit einem Polizeieinsatz endete, versuchen nun alle Beteiligten, wieder zur Ruhe zu kommen. Am schwersten wird es vermutlich für den Jungen selbst, wieder seine Balance zu finden. Er braucht Hilfe!

Tische und Bänke flogen durchs Klassenzimmer: In der Schönfelder Grundschule ist die schöne heile Welt vorerst zerstört.
Thoralf Plath Tische und Bänke flogen durchs Klassenzimmer: In der Schönfelder Grundschule ist die schöne heile Welt vorerst zerstört.

Elke Rech, Schulleiterin der Schönfelder Grundschule, ist restlos bedient. Sie will sich nicht mehr öffentlich äußern. Weder zu den Vorfällen vom vergangenen Freitag, als sie nach dem Ausraster eines Drittklässlers und dessen angebliche Gewaltandrohungen gegen Mitschüler die Polizei zu Hilfe rief, noch zu den Anschuldigungen der Mutter des Jungen. Diese sieht die Reaktion ihres Sohnes als vorhersehbare Resultat von Mobbing, gegen das die Schule trotz mehrerer Hinweise ihrerseits nichts unternommen habe. Harter Tobak.

Der Neunjährige ist krankgeschrieben

Nur soviel ist Elke Rech dann doch noch wichtig: Niemand sei bei dem Vorfall am Freitag verletzt worden. Weder der Junge, noch jemand anderes. Man habe gemeinsam mit allen Beteiligten Möglichkeiten eines vorläufigen, konfliktentschärfenden Unterrichts für den Neunjährigen geschaffen - vorerst mit der einen Stunde am Morgen. Man bemühe sich auch um eine dauerhafte Lösung. Zurzeit sei der Junge aber nicht mehr an der Schule.

Das bleibe vorerst auch so, sagt Daniela-Kathrin Ziggel, die Mutter des Jungen. Ihr Sohn sei regelrecht traumatisiert und deshalb vorerst krankgeschrieben. Sie bemühe sich derzeit um eine Therapie für ihn. Auch für eine Betreuung des Kindes soll gesorgt werden, vielleicht sogar eine Kur. Er müsse lernen, mit Situationen von Frustration und Stress entspannter umzugehen.

Tische und Bänke flogen durch das Klassenzimmer

Nein, es sei weder gut, noch richtig gewesen, wie sich der Kleine da in der Schule verhalten habe, räumt die Mutter ein. Gegenüber dem Nordkurier erzählte sie am Telefon erstmals öffentlich, was eigentlich passiert ist an jenem Freitag. Die Schule schweigt nach wie vor dazu. Den Berichten zufolge habe der Neunjährige nach einem eskalierenden Streit im Klassenzimmer einige Tische und Bänke umgeworfen, seine Schultasche durch den Raum geschleudert und einen Mitschüler bedroht, der sich daraufhin in der Schultoilette einschloss.

"Der Junge ist regelrecht explodiert"

"Natürlich war das nicht gut, ich will das gar nicht beschönigen", gibt Daniela-Kathrin Ziggel zu, "aber der Junge ist regelrecht explodiert. Es war einfach der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte." Ihrer Darstellung nach sei diese Eskalation lange vorhersehbar gewesen, denn der Konflikt zwischen ihrem Sohn und einem Mitschüler habe sich geradezu hoch geschaukelt und auch das Klima in der Klasse beeinträchtigt. "Mein Sohn fühlte sich allein gelassen und in die Ecke gedrängt, er wollte nicht mehr in die Schule gehen. Auch an dem Freitag nicht, denn am Tag davor hatte es wieder einen heftigen Streit mit diesem Mitschüler gegeben. Er fuhr schon morgens so gestresst in die Schule, aber dort fand man ja immer, das sei doch alles nicht so schlimm."

Sie habe gegenüber der Schule mehrfach auf die Verhaltensauffälligkeit ihres Sohnes hingewiesen und immer wieder auf Gespräche gedrängt, so die Mutter. "Ich weiß doch, wie mein Junge reagiert. Und ich hab gemerkt, da stimmt was nicht. Irgendwann konnte er nicht mehr. Er wollte immer wieder aus der Schule weg rennen, dabei hatte er sich am Anfang in Schönfeld wirklich wohl gefühlt. Wie es jetzt weitergehen soll, ich weiß es nicht. So wie bisher jedenfalls nicht. Ich hoffe, wir finden da eine Lösung."

"Lehrerinnen sind überfordert gewesen"

Daniela-Kathrin Ziggel, selbst Mutter von fünf Kindern, will allerdings den Eindruck vermeiden, ihre Kritik beziehe sich auf die gesamte Schönfelder Schule. "Man kann nicht alles auf die Lehrer schieben, und das will ich auch nicht. Die Lehrerinnen sind dort auch genau wie alle anderen mit der Situation überfordert gewesen. Die Schule an sich ist gut und darum hoffe ich, dass wir eine Lösung finden, mit der alle leben können. Die Mitschüler, die Lehrer, aber mein Sohn eben auch."

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