Demmin wird grauer:

Empörung über Kahlschlag am Pulverturm

Die Neugestaltung des Platzes am Luisentor soll erst nach der Kunstnacht Ende April starten, doch die ersten Vorboten sind da: Bäume ab! Nun steht der alte Wehrturm wieder frei sichtbar. Und viele Demminer können es nicht fassen: Was soll das?

Die Trauerweiden mussten für den Platz der Besten dran glauben.
Thoralf Plath Die Trauerweiden mussten für den Platz der Besten dran glauben.

Der Bestand an alten Bäumen in der Demminer Innenstadt ist ziemlich schnell zusammengezählt. Rings um St. Bartholomaei stehen ein paar, am Mühlengraben. Auch der Marienhain war einmal ein schattiger Park – bis zu seiner Sanierung. Danach war von der Grünanlage vor allem kahler Rasen übrig, zu allem Übel rupfte dann auch noch ein sommerlicher Wirbelsturm die verbliebenen Baumkronen. Nein, es ist kein Wunder, dass viele Demminer so allergisch auf jeden abgesägten Baum im Stadtzentrum reagieren. Als in dieser Woche die Motorsägen am Platz neben dem Luisentor aufheulten, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in der Stadt: Kahlschlag am Pulverturm.

Dass dort Bäume abgeholzt werden sollten, war eigentlich bekannt. Anders als beim Bau des Buswende-Platzes nebenan auf dem Schulhof, wo der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt erst im letzten Moment vom schon geplanten Ende zweier Linden Wind bekam und die Säge noch verhinderte, wurde das Fällen von Bäumen am Pulverturm lang und breit diskutiert im Fachgremium des Stadtparlaments. Drei Mal kam Landschaftsarchitekt Stefan Pulkenat nach Demmin, um den Abgeordneten sein Projekt zu erläutern. Er argumentierte mit Sichtachsen, mit geplanten Neuanpflanzungen und dem Umstand, dass ein Teil der alten Bäume krank sei. Am Ende stimmte der Ausschuss seinen Plänen zu.

Unwort des Jahres: Sichtachse

Das schert die Demminer wenig in ihrem Frust. Er sei entsetzt und enttäuscht, dass es immer weniger Grün in Demmin gibt, sagt Jürgen Heuer. „Warum musste die schöne Trauerweide sterben? Man kann der Stadt doch nicht alles Grün wegnehmen! Wer soll sich denn da zukünftig noch hinsetzen, da weht einem ja das Hemd weg auf dem kahlen Platz. Mich macht der Anblick sehr traurig.“ Auch der Demminer Reimund Pniok hat für das erneute Abholzen von Stadtgrün nur Kopfschütteln übrig. „Immer wenn irgendwo in Demmin gebaut wird, kommt zuerst der Kahlschlag. Jetzt mussten die beiden schönen Weiden dran glauben, das geht doch nicht. Wir werden immer heißere Sommer bekommen, wenn sich da auf dem neuen Platz jemand hinsetzen will, möchte er sicherlich gern Schatten haben.“

Auch Kathrin Dietrich äußert sich in einer E-Mail bestürzt. „Es ist doch eine Unvernunft sondergleichen, was sich im Demminer Stadtzentrum seit Jahren abzeichnet. In vielen anderen Städten Deutschlands werden Innenstädte begrünt, Parks angelegt und Einzelbäume gepflanzt, nur bei uns erlebt man das Gegenteil. Das Unwort des Jahres heißt für mich auf Demmin bezogen ‚Sichtachse‘.“