Er riecht den Musikgeschmack:

Ein Rocker steht auf Schlager

Tattoos, Motorrad und Stirnband - Acky sieht nicht gerade aus wie ein typischer Schlager-DJ. Doch der Eindruck täuscht.

Tausendsassa aus Demmin: Acky hat seine Finger in vielen Geschäftsfeldern. 
Johanna Meyer-Gohde Tausendsassa aus Demmin: Acky hat seine Finger in vielen Geschäftsfeldern. 

DJ Acky trifft man meistens in seiner Imbiss-Bude. Die befindet sich in einem Einkaufspark am Stadtrand von Demmin. Es riecht nach Bratwurst und Pommes, im Hintergrund dudelt ein Schlager – auf den ersten Blick ein ganz normaler Imbiss. Aber wenn man genauer hinschaut, sieht man: Auf dem Tresen liegen Servietten mit Totenkopfaufdruck, die Mikrowelle ziert ein Wikingerhelm vom letzten Torfrock-Konzert und auf der Karte steht ein Gericht namens „Ackylette“. „Die Leute kommen nicht zum Imbiss, sie kommen zu Acky“, sagt Acky, der Besitzer, gelernter Fleischer, beide Arme tätowiert.

Demmin Hochburg des Schlagers

Acky sieht nicht gerade so aus, wie man sich den typischen Schlager-DJ vorstellt. „Ich bin zwar tätowiert, fahre Motorrad und bin in einem Rockerclub“. Aber es sei ein Vorurteil, dass Leute wie er keine Schlager mögen, meint Acky. Außerdem sei Demmin eine Hochburg des Schlagers. „Hier fährt sogar die Jugend auf Schlager ab“, erklärt er. „Eins-Zwei-Tipp-Musik, Lieder zum Mitsingen, Roland Kaiser, solche Sachen.“ Und er muss es wissen. Er ist zwar Ur-Demminer, hat aber lange Jahre in Chemnitz gelebt. Dort war es auch, wo er anfing, als mobiler DJ zu arbeiten, zuerst mit einer kleinen Anlage auf Familienfeiern, Hochzeiten und Jugendweihen. Aber mit der Zeit wurde aus dem Hobby eine richtige Firma, die auch Veranstaltungen organisierte und Technik verlieh. Und Acky hatte zu Hochzeiten 800 bis 1000 CDs im Sortiment.

2005 kam Acky nach über 20 Jahren zurück nach Demmin. Aus Heimweh. Und weil er sich von seiner Frau getrennt hatte. Es sei gar nicht so einfach gewesen, sich seit so vielen Jahren einen Namen als DJ zu machen, erinnert er sich. „Die Leute kannten mich zwar noch, aber sie kannten mich als Acky und nicht als DJ Acky.“ Doch kurz bevor er an den Punkt gekommen war, das ganze DJ-Projekt hinzuschmeißen, bekam er durch einen Zufall die Gelegenheit, auf dem Peenefest aufzulegen. Zunächst war das als Vertretung für eine halbe Stunde geplant. Aber aus der halben Stunde wurden anderthalb Stunden. Dazu kam eine Einladung, im Tannnenrestaurant aufzulegen. „Das war mein Durchbruch in der Stadt“, sagt Acky. „Danach standen die Telefone nicht mehr still.“

Im Imbiss trifft sich die Geschäftswelt

Inzwischen hat er Auftritte nicht nur in Demmin und Umgebung, sondern auch in Schwerin, Rostock und Stralsund. Außerdem vermittelt er andere Künstler, verleiht Technik und organisiert Veranstaltungen – ein richtiger Partyservice, fast wie früher in Chemnitz. Musik ist seine große Leidenschaft. „Ob Rockparty, Schlagernacht, Silberhochzeit oder Jugendweihe, das macht mir einfach Spaß.“ 

Dazu kommt noch der Imbiss. Den hat er 2008 übernommen, nachdem er gerade seinen Job auf einem Anklamer Schlachthof verloren hatte. Da bot ihm Jürgen Aleschus vom Tannenrestaurant an, den Laden in dem Einkaufspark zu übernehmen. „Ich dachte mir, das probierst du mal“, sagt Acky und es hat sich gelohnt. Er habe den Laden umgebaut, modernisiert und die Einnahmen verdoppelt. Inzwischen sei der Laden zu einem Treffpunkt geworden, sogar einem Ort für Geschäftstermine. „Hier trifft sich der Klempner mit dem Bauleiter und der Tischler mit dem Antiquar auf eine Wurst.“ Die Hälfte des Tages sei er damit beschäftigt, mit den Kunden zu plaudern.

Leben könnte er inzwischen von dem Imbiss allein. „Aber ich bin nicht der Typ, der Samstagabends zu Hause sitzt.“ Acky ist jetzt 47 Jahre alt und manchmal, wenn er um vier oder fünf Uhr morgens noch auf Partys unterwegs ist, denkt er sich: „Das musst du dir nicht mehr antun.“ Dafür kann er sich nach Jahrzehnten im DJ-Business auf seine Erfahrung und Menschenkenntnis verlassen. Er braucht die Leute nicht mehr fragen, was sie sich für Musik auf ihrer Hochzeit oder Jugendweihe wünschen. Das kann er riechen – sogar wenn die Leute wie Rocker aussehen.