Ein Dorf im Training:

Erste Hilfe kein Problem mehr

Was tun, wenn der Nachbar umfällt und schnelle Hilfe gefragt ist? Die Siedenbrünzower wissen das jetzt. Sie haben sich gemeinsam fit gemacht.

Viola Kowalk (links) legte Renate Roloff einen Verband am Arm an.  Beide Frauen haben wie andere Siedenbrünzower auch ihre Kenntnisse in Erster Hilfe wieder mal aufgefrischt.
Viola Kowalk (links) legte Renate Roloff einen Verband am Arm an.  Beide Frauen haben wie andere Siedenbrünzower auch ihre Kenntnisse in Erster Hilfe wieder mal aufgefrischt.

Es ist schon fast 40 Jahre her, als Wolfgang Kurth seine Flebben gemacht hat und damit seinen Erste-Hilfe-Schein. Der Siedenbrünzower weiß noch, dass es zu DDR-Zeiten auf den Dörfern in den Wintermonaten Schulungen in Erster Hilfe gab, aber jetzt? „Inzwischen gibt es ja viele Neuerungen“, sagt er. „Da sollte man wirklich mal auffrischen.“

Den Gedanken des Bürgermeisters hat der Dorfklub aufgegriffen. Notfälle im Alltag gebe es immer mehr, meint Vorsitzende Sibylle Braasch. „Da muss man gerüstet sein.“ Dorfklubmitglied Renate Roloff stellte den Kontakt zum Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Demmin her und holte einen Fachmann ins Dorf. Als Mitarbeiterin im Arbeitsmedizinischen Dienst kennt sie die Ansprechpartner. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Bürger immer älter werden, und dann ist Erste Hilfe wichtig, auch wenn im Dorf jemand verunglückt“, erklärt Renate Roloff. Madlen Blank findet es gut, dass der Abendlehrgang angeboten wird. „Sonst ist ja Erste Hilfe nur bei der Fahrerlaubnis Pflicht, dann kommt nichts mehr“, meint sie. „Da sollte man unbedingt auffrischen.“ Wie es den meisten so geht, habe auch sie im Kopf: Hoffentlich komme ich nicht auf einen Unfall zu, was mache ich dann?

Frank Kruse kennt das. Der Rettungsassistent beim DRK und ehrenamtlicher Kursleiter in Erster Hilfe weiß, dass bei 60 Prozent der Autofahrer der letzte Kurs mehr als 15 Jahre her ist. „Es gibt keine gesetzliche Pflicht“, stellt er klar. Wie zu DDR-Zeiten, alle fünf Jahre den Schein zu wiederholen, das gebe es nicht mehr. Auch eine Prüfung müsse man bei einem Erste-Hilfe-Lehrgang nicht ablegen.

Frank Kruse will Mut machen, dass die Leute ihr Wissen auffrischen. Deshalb hat er gern die Einladung aus Siedenbrünzow angenommen. Zehn Leute kamen. „Wir haben mit zwanzig gerechnet“, gibt Sibylle Braasch zu, ist aber keineswegs enttäuscht. Die, die da waren, haben eine Menge mitgenommen. Sie wissen nun, wie man einen Menschen in die stabile Seitenlage legt, was bei Verbrennungen zu tun ist, wie Verbände angelegt werden, was es zu tun gilt, wenn ein Unfall passiert ist, oder wie man einen Menschen wiederbelebt. Frank Kruse lässt die Siedenbrünzower üben, Herzdruckmassagen am Dummy, Verbände und stabile Seitenlage. Viele würden Angst haben, im Ernstfall bei etwas falsch zu machen und dafür belangt zu werden. Aber dem widerspricht der Fachmann. Wichtig sei zu helfen, wozu jeder Bürger auch verpflichtet ist. „Auch wenn Sie nur den Notruf wählen, ist das schon Erste Hilfe.“

„Das war alles sehr anschaulich“, findet Sibylle Braasch. Viele Fragen sind beantwortet. „Da fühlt man sich gleich sicherer.“ Wie Frank Kruse sagt, bietet das DRK Auffrischungskurse an, geht in Vereine, Sportgruppen, Firmen. Die Siedenbrünzower können das jetzt nur empfehlen.

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