Nach Einigung in Dargun:

Gedenktafel darf endlich das Kirchenasyl verlassen

Kurz vor Jahresende hatten die Stadtvertreter dann doch noch eine Meinung: Ein Gedenkstein vor der Synagoge soll fortan an Darguns Juden erinnern.

Auch hier besteht Handlungsbedarf: Das Denkmal auf dem jüdischen Friedhof im Wald bröselt vor sich hin.
Gerald Gräfe Auch hier besteht Handlungsbedarf: Das Denkmal auf dem jüdischen Friedhof im Wald bröselt vor sich hin.

Einsilbig, kurz angebunden gibt sich Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann (Die Linke): Zu viel schon sei über die Haltung der Stadtvertreter öffentlich polemisiert und geschrieben worden, findet der Mann. Zur Erinnerung: Das Parlament schwieg über Monate hinweg zu Vorschlägen aus der Bevölkerung, wie man an die im Dritten Reich ums Leben gekommenen jüdischen Mitbürger erinnern könnte. Zuletzt hatte Graupmann den Kommunalpolitikern „Bedenkzeit“ eingeräumt. Offen auf einer Sitzung über das Gedenken diskutieren mochte der Bürgermeister denn aber lieber nicht. Er sprach stattdessen intern mit den Fraktionsvorsitzenden.

Das Ergebnis der Vier-Augen-Runden: „Der Vorschlag des Bürgermeisters wird mitgetragen.“ Sprich, so wie es die Baptisten-Gemeinde und mehrere Darguner vorschlagen hatten, wird vor der einstigen Synagoge ein Gedenkstein errichtet. Im Frühjahr soll das passieren. Dafür übernehme sein Haus die Regie, legt Graupmann seine Verantwortung fest.

Die Tafel mit den Namen der Opfer der Shoah für den Gedenkstein liegt vor. Mit Unterstützung des Unternehmers Alfred Stephan war sie von mehreren Bürgern erstellt und Graupmann am 9. November, dem Tag der Reichspogromnacht, übergeben worden. Seitdem genießt die Tafel „Kirchenasyl“ bei den Baptisten, wie es deren Pastor Dirk Ristau formulierte. Renate Schaefer von der Bürger-Gruppe ist glücklich über den Ausgang der Diskussion: „Da haben wir doch schon viel erreicht.“ Die Frau macht weiter. Denn bald gilt es, die aus New York erwarteten Briefe der 1942 verschleppten letzten Juden der Stadt zu entziffern.