Tiefer Blick in die Frühzeit:

Geheimnisse um ein Stück Alt-Demmin

Bevor an der Ostseite des Marktplatzes der Grundstein für das künftige Seniorenzentrum der Diakonie gelegt wird, hat die Archäologie dort Arbeit. Denn die Baustelle gräbt sich mitten hinein in ein Stück Ur-Demminer Stadtgeschichte.

Auf der Diakonie-Baustelle am Marktplatzm tauchen Fundamente und Reste der Altdemminer Häuser auf.
Thoralf Plath Auf der Diakonie-Baustelle am Marktplatzm tauchen Fundamente und Reste der Altdemminer Häuser auf.

„Runter von der Baustelle!“ Im Kasernenton werden ungebetene Besucher begrüßt auf dem Gelände des künftigen Diakonie-Seniorenhauses am Demminer Marktplatz. Jedenfalls, wenn sie wie Pressevertreter aussehen, die dann auch noch die Dreistigkeit besitzen, nicht augenblicklich um Erlaubnis zu fragen. Und noch nicht mal eine amtliche Genehmigung von der Landesarchäologie bei sich tragen.

Da versteht der Grabungsleiter keinen Spaß. Kommt sogar höchstselbst  aus der mehrere Meter tiefen Baugrube geklettert, um klarzustellen, das Schweriner Landesamt besitze an jeglichen bildlichen Darstellungen der Ausgrabungsstelle die Urheberrechte. „Sollten die Fotos veröffentlicht werden, gibts Ärger!“

Nanu? Was mögen die Wissenschaftler da gerade freilegen auf dem Markt-Grundstück, das bis vor kurzem die meistdiskutierte Ruine Demmins besetzte? Informationen dazu gibts vor Ort keine. Zu sehen sind stattliche Fragmente mehrerer Hauswände und Fundamente, vermutlich Reste jener mittelalterlichen Quartierbebauung, wie sie bereits im Zuge der Neugestaltung des Demminer Marktplatzes großflächig freigelegt wurde.

600 Kartons voller Urstadt

Anderthalb Jahrzehnte sind vergangen seit dieser bisher umfangreichsten archäologischen Forschung auf dem Areal der Demminer Altstadt. Der Ende der 1990er Jahre geplante Wiederaufbau des Rathauses an historischer Stelle nebst neuer Tiefgarage erwies sich für die Landesarchäologie als Glücksfall. Die Ausbeute: Mehrere zehntausend Einzelfunde wurden geborgen und katalogisiert, verpackt am Ende in über 600 Kartons. Stumme Zeugen der Demminer „Urstadt“ bis ins 13. Jahrhundert zurückreichend. Als Dr. Detlev Jantzen, Mecklenburg-Vorpommerns Chefarchäologe, 1999 zu einem Vortrag über die Demminer Marktplatz-Grabung in das Kreisheimatmuseum einlud, reichten die Stühle kaum, so viele Besucher kamen.

Die Grabungsstelle auf dem Diakonie-Grundstück an der Ostseite des Marktes schließt frühgeschichtlich sozusagen an die Arbeiten rings um das Rathaus an. Das Zehntausend-Teile-Puzzle aus dem versunkenen Demmin unserer Ahnen wird hier also wieder um einige Stückchen reicher. Vom Bauzaun aus ist wenigstens ein wenig zu sehen von dem, was die Archäologen dort gerade entdecken. Und derzeit noch ein ziemliches Geheimnis draus machen. Also Vorsicht mit Fotos: Das Urheberrecht liegt in Schwerin!

 

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