Eine Größe im Haushalt:

Gewerbe bringt Demmin Steuer-Millionen

Die Hansestadt steht wirtschaftlich nicht so schlecht da. Das scheinen zumindest die Steuereinnahmen zu sagen. Das hat aber auch einen Nachteil.

Auch wenn Demmin nicht gerade ein bedeutender Industriestandort ist, beschert das Gewerbe der Stadt doch wichtige Einnahmen. Die Gewerbesteuer ist im neuen Haushalt die größte Einzeleinnahme.
NK-Bildmontage mit Fotos: Georg Wagner und Jens Wolf Auch wenn Demmin nicht gerade ein bedeutender Industriestandort ist, beschert das Gewerbe der Stadt doch wichtige Einnahmen. Die Gewerbesteuer ist im neuen Haushalt die größte Einzeleinnahme.

Als die Eckdaten für den neuen Haushalt der Stadt Demmin standen, boten sie für manchen Bürger eine Überraschung. Trotz der Strukturschwäche der Region und der Stadt macht bei den Einnahmen die Gewerbesteuer den größten Einzelposten aus.

Mit rund 2,5 Millionen Euro ist sie für dieses Jahr veranschlagt. Das sind 130 000 Euro mehr als die vom Land pro Kopf bezahlten Schlüsselzuweisungen und eine halbe Million mehr als der kommunale Anteil an der Einkommenssteuer. Hat die Stadt demnach doch einiges an Wirtschaftskraft? „Wir sind nicht so schlecht, wie es gelegentlich scheint“, meint beispielsweise Demmins Altbürgermeister Ernst Wellmer. Er hatte jahrzehntelang damit zu tun und kennt die Zahlen.

Ein großer Schluck für Demmin

Sie bewegen sich seit langem um den Wert, der als Prognose im neuen Etat steht. Rund 2,3 Millionen nahm die Stadt laut Verwaltung im Jahr 2010 aus der Gewerbesteuer ein. 2,6 Millionen waren es 2011. Für die Folgejahre fehlen zwar noch die Jahresabschlüsse, doch die Planzahlen sind ähnlich fortgeschrieben: 2,2 Millionen im Jahr 2012, im Jahr darauf 115 000 Euro mehr, 2014 dann 2,5 Millionen.

Zum Teil geht das zurück auf große Unternehmen wie e.dis. Auch wenn hier genaue Zahlen schon allein aufgrund des Steuergeheimnisses nicht bekannt sind, darf man das Energieunternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitern an seinen beiden Niederlassungen am Hanseufer und in der Woldeforster Straße zu den wichtigsten Demminer Gewerbesteuerzahlern rechnen. Dabei führt es bei weitem nicht alles in der Hansestadt ab. Weil es in der Fläche tätig sei, zahle es überall dort Gewerbesteuer, wo Anlagen und Mitarbeiter sind, sagt Pressesprecher Michael Elsholtz. „Das ist ja auch gerecht. Aber Demmin bekommt schon einen großen Schluck ab.“

Dafür zahlt das Land weniger

Allein mit solchen Unternehmen, ließe sich das derzeitige Steueraufkommen jedoch nicht erzielen. Vielmehr summieren sich dazu auch die Beiträge der vielen kleineren Betriebe. „Wie überall gibt es auch in der Hansestadt Demmin einige größere Gewerbesteuerzahler, die natürlich den Löwenanteil beisteuern“, so Bürgermeister Michael Koch. „Trotzdem möchte ich hier die anderen Steuerzahler nicht außer Betracht lassen, da auch sie einen nicht unwesentlichen Anteil an der Einnahmeerzielung der Hansestadt ausmachen.“

Das hat allerdings auch einen Nachteil: Je höher das eigene Steueraufkommen, desto niedriger fallen in den Folgejahren die Schlüsselzuweisungen aus Schwerin aus. „Der Grund liegt in der politisch gewollten Funktion der Schlüsselzuweisungen als ergänzendes Finanzmittel“, erläutert Koch das Verfahren. „Sie dienen als eine Art Solidarfunktion des Landes.“