Kleintierzucht:

Gurren, gackern, krähen: Auf dem Basar der Perlhühner

Geflügelschauen wie der traditionelle Beggerower Kleintiermarkt sind ein Phänomen. Sie locken Publikum von wer weiß woher. Auch diesmal herrschte dort großes Gedränge zwischen den Käfigen. Denn Enten, Hühner und Tauben sind wieder im Kommen hierzulande.

Taubenbasar: Seit fast zwei Jahrzehnten lockt der Beggerower Kleintiermarkt, traditionell zwischen Weihnachten und Silvester veranstaltet, sein Publikum. Auch diesmal gab es wieder ordentlich Gedränge zwischen den Käfigen.
Thoralf Plath Taubenbasar: Seit fast zwei Jahrzehnten lockt der Beggerower Kleintiermarkt, traditionell zwischen Weihnachten und Silvester veranstaltet, sein Publikum. Auch diesmal gab es wieder ordentlich Gedränge zwischen den Käfigen.

Zu behaupten, Reinhard Oldach hat einen Vogel, wäre wohl einigermaßen untertrieben. Fasane, Hühner, Tauben, Pfaue: Auf dem Hof des Alt Kentzliners tummelt sich ein ganzer Schwarm Geflügel. Mittendrin stolzieren seit ein paar Wochen nun auch noch zwei Nandus herum: „Die waren schon lange mein Traum“, sagt der 51-Jährige. Für Strauße sei sein Grundstück zu klein gewesen, „aber die Nandus, das passt.“

Für die Käfige im Beggerower Spartenheim wären die Hälse der südamerikanischen Rennvögel trotzdem zu lang, die Veranstaltung hört nicht von ungefähr auf den Namen Kleintiermarkt. Darum hat Oldach drei Perlhüher mitgebracht und in die Voliere gesperrt, dazu noch ein paar Tauben, zwei Fasanenhennen. Da hocken sie nun und gucken verstört auf die vielen Leute, die sich an den Käfigen vorbeischieben, dann und wann nähert sich den Gitterstäben ein prüfender Blick. Es ist Sonnabendfrüh, kurz nach neun, im Saal des Kleintierzüchtervereins Beggerow herrscht großes Gedränge. Taubenfreunde sind Frühaufsteher. „Wenn du hier was Ordentliches kaufen willst, darfst du nicht erst kurz vor Mittag kommen“, erklärt einer der Käfiggucker das.

Ruck, zuck geht das erste Geflügel über den Ladentisch, Laufenten, ein Paar schöne Wyandotten-Hühner. Die Regeln sind einfach, die Preise moderat, kurzes Verhandeln, „einer für 15, alle drei für 40“, Nicken, Handschlag. So ein Geflügelbasar ist eine Welt für sich und erinnert ein bisschen an alte Zeiten. Es gackert und flattert und gurrt und kräht im Saal, Täuberiche tippeln aufgekratzt von Käfigecke zu Käfigecke, die drollig befiederten Isabell-Zwergbrahma von Nicole Johannis kriegen sich das Zanken im Käfig, Federn fliegen, zwei echte Streithähne. „Die sind sonst nicht so dicht zusammen“, sagt die junge Züchterin. Doch nur ein paar Minuten, da hat die liebe Seele Ruh: Jemand kauft ihr das Kampfgeflügel ab. „Das Geschäft lief gut in diesem Jahr“, strahlt die Hohenbollentinerin. „Viele kaufen ihr Geflügel wieder bei uns in den Dörfern, weil sie einfach dieses Mastzeug aus den Industrieställen nicht mehr wollen.“

Auch das erklärt wohl den Erfolg solcher Veranstaltungen. Am Ende des Vormittags sind es gut 300 Besucher, die sich für die Angebote der 50 Züchter interessieren, die meisten Käfige werden leergekauft. Das Publikum reist von weither an, die Autos auf dem überfüllten Parkplatz tragen Kennzeichen aus Rostock, Greifswald, Güstrow, sogar aus Bad Freienwalde ist jemand gekommen. Der nachweihnachtliche Kleintiermarkt in Beggerow ist eine kleine Institution.

Lange haben auch die Züchtervereine im Demminer Land über Nachwuchsmangel geklagt, inzwischen erlebt die Szene wieder Zulauf. Geflügel, Kaninchen halten, das lohnt auch ganz praktisch. Denn die meisten der schmuck gefiederten und bepelzten Rassetierchen landen, früher oder später, im Kochtopf. „Klar, man macht das natürlich nicht bloß zum Spaß“, sagt Nicole Johannis es ganz pragmatisch.

Kein Wunder, dass Heino Schütt nichts loswird und seine Schöneberger Streifigen bald in die Transportbox zurückbringt. Sitzt halt nichts dran an den zierlichen Täubchen. „Kleine Rassen verkaufen sich hier schlecht“, sagt er. „Kingtauben, Strasser, die großen Klassiker, die sind mehr gefragt.“ Er klingt nicht frustriert, er scheint das zu kennen. Nur noch knapp 50 Züchter gibt‘s, die Schöneberger züchten, die kleinen Tauben sind selten geworden hierzulande.

Bei Reinhard Oldach läuft das Geschäft besser. Die Fasane sind längst weg, auch zwei seiner Perlhühner hat er gerade verkauft. Der neue Besitzer will sie nicht in die Pfanne hauen, er braucht sie als Aufpasser für seinen Hühnerhof. „Perlhühner gucken immerzu nach oben, die sind aufmerksam und merken früh, wenn der Habicht kommt. Dann machen sie Krach und warnen, das funktioniert.“ Aber essen kann man sie doch auch, die Perlhühner, oder? „Ja klar“, sagt Oldach und grinst, „Die schmecken richtig gut.“

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