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Hasseldorfer stöhnen wegen Vollsperrung

VonJana OttoEtwas abgeschnitten von ihrer Umwelt fühlen sich die 18 Hasseldorfer Bürger. Aufgrund einer Straßenvollsperrung müssen sie mehrere Kilometer ...

Der alte Durchlass wird durch einen neuen ersetzt: Mitarbeiter des Bauunternehmens pflastern und verfugen, damit das Wasser unter der Straße abfließen kann.

VonJana Otto

Etwas abgeschnitten von ihrer Umwelt fühlen sich die 18 Hasseldorfer Bürger. Aufgrund einer Straßenvollsperrung müssen sie mehrere Kilometer Umweg in Kauf nehmen - zumindest offiziell.

Lindenberg.Mühsam ist der Arbeitsweg seit Monaten für Annemarie Ziebell. Die Has- seldorferin muss mehrmals am Tag von ihrem Wohnort in das nur einen Steinschlag entfernte Lindenberg. Dort arbeitet sie in der Küche der Kita und bereitet Frühstück, Mittag und Vesper für die Kleinen vor. Normalerweise braucht Annemarie Ziebell für den knapp 1200 Meter langen Weg nur ein paar Minuten, doch seitdem die Kreisstraße 35 von Hasseldorf bis Lindenberg voll gesperrt ist, verlässt sie das Haus bereits eine halbe Stunde, bevor ihr Dienst beginnt. „Man muss mit allem rechnen“, weiß Annemarie Ziebell mittlerweile. Eigentlich müsste die Hasseldorferin etliche Kilometer Umweg in Kauf nehmen, um an ihre Arbeitsstelle zu gelangen. Der offizielle Weg während der Bauphase führt von Hasseldorf über Markow und Zolkendorf nach Ivenack und von der B 194 schließlich über Kentzlin nach Lindenberg. Diese Strecke jedoch kann Annemarie Ziebell nicht jeden Tag und das gleich mehrmals absolvieren, viel zu groß wäre der Zeitverlust. Deshalb nutzt sie trotz Sperrung die Straße, jetzt ausschließlich mit dem Rad oder eben zu Fuß. „Ich taste mich täglich vorsichtig voran und schaue, wie es am besten geht“, schildert Annemarie Ziebell. So umständlich und lästig sie und die anderen
17 Hasseldorfer die Straßensperrung auch finden, so sehr loben sie die Mitarbeiter des Bauunternehmens Koch. „Die sind immer nett, haben Verständnis und lassen einen vorbei“, schildert Annemarie Ziebell. Jeden Tag spricht sie mit den Bauleuten, die ihr die anliegenden Arbeiten erläutern. „So weiß ich dann, ob ich durchkomme oder ob ich lieber den Acker nutze“, meint Annemarie Ziebell.
Momentan wird an gleich mehreren Stellen dieses dritten Bauabschnitts gearbeitet. Am Anfang wird eine Böschung gezogen und Gräben angelegt, mittendrin pflastern Mitarbeiter einen Durchlass und am Ende heben Baumaschinen Mutterboden aus. Trotz des langen Winters gehen die Arbeiten gut voran. „Laut Bauablaufplan liegen wir gut in der Zeit“, schätzt Uwe Baensch, Vorarbeiter des Malchiner Bauunternehmens Koch, ein. Auf dem Teil der Straße, die ganz neu angelegt wird, wurden bereits Frostschutz und Schotter aufgebracht und in den nächsten Tagen soll die alte Straße ausgefräst werden.
Annemarie Ziebell hat sich mit der Situation arrangiert, sie radelte trotz Schnee oder Regen und ging im Notfall auch zu Fuß. Müllentsorgung, Gemüse- und Fleischhändler fahren Hasseldorf über Markow an, nur der Bäcker kommt nicht. „Das Brot, das die Leute bestellt haben, bringe ich ihnen dann mit dem Fahrrad aus Lindenberg mit“, sagt Annemarie Ziebell pragmatisch. Die Versorgung läuft also, auch wenn es nach Auffassung der Hasseldorfer eine bessere Variante für die Bauphase gegeben hätte. Zwischen Krusemarkshagen und Hasseldorf gibt es nämlich noch einen alten Landweg, der zwar auch einen Umweg bedeutet, aber um ein Vielfaches kürzer ist als die offizielle Umleitung. Doch der Weg sei viel zu matschig, gerade wenn es viel regnet. „Das hätte der Bürgermeister im Vorfeld besser regeln können“, findet Annemarie Ziebell. Doch Lindenbergs Bürgermeister Albrecht Neukirch winkt ab: „Die Agrargenossenschaft hat den Weg geschoben, so dass man dort gut fahren kann. Doch wenn es nass ist, nützt das auch nichts“, sagt das Gemeindeoberhaupt. Wie die Hasseldorfer auch hofft er, dass die Arbeiten weiter zügig voranschreiten und der Verkehr dann ab dem Spätsommer auf einer neuen, asphaltierten Straße rollen kann.

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