Reine Notwehr?:

Heftige Hiebe aus Todesangst

Hat er mit dem Besen zugeschlagen oder nicht? Ein 28-Jähriger gibt nur einen Faustschlag zu. Aus Todesangst, wie er sagt. Trotzdem wirft ihm das Gericht gefährliche Körperverletzung vor.

Was geschah in jener dunklen Februar-Nacht? Die Aussagen der Beteiligten sind und bleiben widersprüchlich.
nk-bildmontage mit foto: Carina Göls Was geschah in jener dunklen Februar-Nacht? Die Aussagen der Beteiligten sind und bleiben widersprüchlich.

Ob er sich noch einmal einmischen wird, das weiß Robert K.* nicht. Der 28-Jährige hat sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Und nun das: Er ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Im Februar soll er in einem Dorf bei Altentreptow  jemandem einen Besen über den Rücken gezogen und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. „Die wollen den Spieß umdrehen“, sagt Robert K. geknickt. Den Besen hätten die anderen herausgeholt. Er habe damit nicht zugeschlagen. Nein.

Besenstiel bricht bei Schlägen

Der Angeklagte erinnert sich: Er und seine Eltern sind vom Schlachten gekommen und wollten nach Hause. Es war schon dunkel. Hinter ihnen sei ein Auto dicht aufgefahren. Mehrere Menschen saßen dort drin. Die wollten wohl zu einer Geburtstagsfeier. „Dann sind die auf die Rasenfläche zwischen die Wäscheständer, haben mit den Reifen alles durchwühlt“, erinnert sich Robert K.  Er habe sich darüber geärgert und die jungen Leute angesprochen, ob sie nicht woanders „wilde Sau“ spielen können. „Dann hat einer einen Besen rausgeholt und mir auf den Rücken geschlagen“, sagt Robert K. So doll, dass der Holzstiel zerbrochen sei. „Ich hatte Todesangst.“

Der 28-Jährige stockt, erzählt dann weiter. Er habe aus Notwehr gehandelt, den einen in den Schwitzkasten genommen und mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Ja, und den Fuß gegen die Knie gehauen, habe er auch. „Aber es war reine Notwehr. Ich habe nur noch gezittert, war aufgeregt, ich hatte Schmerzen im Nackenbereich, ich musste mich wehren.“ Plötzlich hätten unten am Haus acht oder neun Leute mit Baseballschlägern gestanden. „Die wollten uns vermöbeln. Wir haben die Polizei geholt und eine Anzeige gemacht“, sagt Robert K.

Geldbuße in Höhe von 300 Euro

Richter Jörg Blasinski stutzt. Die Gegenpartei stelle es anders dar. „Wenn eine Schlägerei losgeht, kann man schwer herausfinden, wer angefangen hat, aber wer einen Besen in der Hand hält, das sieht man“, hält der Richter ihm vor. Warum sollten die jungen Leute so aggressiv reagiert haben? „Vielleicht, weil wir so langsam gefahren sind, keine Ahnung“, meint der 28-Jährige. Es sei  nicht das erste Mal gewesen, dass die verrückt gespielt haben. Die Polizei sei fast jeden Tag da. Robert K. zuckt mit den Schultern. Er wirkt ratlos und doch glaubwürdig. Seine Angaben sind präzise. Den Eindruck hat auch der Richter. Laut Akte hört sich aber auch die andere Seite überzeugend an. Auf die Aussagen der Zeugen verzichtet das Gericht. Die wären widersprüchlich geblieben. Denn sowohl die Eltern des Angeklagten, als auch die jungen Leute waren geladen.

Der Richter schlägt vor, das Verfahren gegen eine Geldbuße von 300 Euro einzustellen. Das sieht der Staatsanwalt genauso. „Er ist nicht der Schläger, der mit der Waffe durch die Orte zieht“, meint er. Nein, so sieht Robert K. wirklich nicht aus. (*Name geändert)

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