Wohnplatz zu teuer:

Heimbewohnern bleibt nur Weg zum Sozialamt

Für den Landkreis kommt ein Heimplatz immer teurer zu stehen. Ein Träger hat bereits die Preise erhöht, weitere werden nachziehen. Wenn die Rente nicht mehr ausreicht, sind viele auf Hilfe vom Staat angewiesen.

Das Gertraudenstift in Demmin. Wegen erhöhter Heimkosten ist der Pommersche Diakonieverein als Betreiber bei einigen Heimbewohnern und deren Angehörigen in die Kritik geraten.             
Gudrun Herzberg Das Gertraudenstift in Demmin. Wegen erhöhter Heimkosten ist der Pommersche Diakonieverein als Betreiber bei einigen Heimbewohnern und deren Angehörigen in die Kritik geraten.  

„Du sollst die alten Menschen nicht benachteiligen“, schreibt ein Leser und macht sich Luft über die drastischen Preiserhöhungen im Demminer Gertraudenstift. Einige Heimbewohner und Angehörige wandten sich sogar mit einer Petition an den Träger, den Pommerschen Diakonieverein. Der gehörte zu den ersten Trägern, die jetzt neu die Entgelte für die Pflegeleistungen mit den Pflegekassen verhandeln mussten. „Wir sind da an gesetzliche Vorgaben gebunden und natürlich auch an unsere Tarife, die wir den Mitarbeitern zahlen“, erklärt Dirk Ehmke, Bereichsgeschäftsführer beim Diakonieverein.

In einem Schreiben werden die Heimbewohner und ihre Angehörigen über die erhöhten Kosten bei Lebensmitteln, Strom und Gas und dem Personalaufwand aufgeführt. Den höchsten Posten nehmen die Personalkosten mit rund 73 Prozent ein. „Vielen Heimbewohnern bleibt jetzt nur noch der Weg zum Sozialamt“, meint eine Angehörige, die ihre Mutter im Gertraudenstift untergebracht hat.

Laut Birgit Küthe, Leiterin des Gertraudenstiftes, erhalten sechs Heimbewohner ergänzende Leistungen der Sozialhilfe für ihren Heimaufenthalt. Betrug der Aufwand für Juli 2013 für den Landkreis 2569 Euro, wird er sich nach der Erhöhung der Pflegesätze auf monatlich 4405 Euro belaufen, heißt es aus dem Landratsamt. Es gebe auch schon neue Anträge auf Sozialhilfe. Insgesamt übernehme der Landkreis für Heimbewohner, die ihren Platz nicht selbst finanzieren können, durchschnittlich 540 000 Euro im Monat. „Der neu verhandelte Kostensatz des Gertraudenstift liegt allerdings im Vergleich mit anderen Pflegeheimen in Mecklenburg-Vorpommern im Korridor.“

Das sehen  die Angehörigen anders. „450 Euro mehr für einen Platz mit Pflegestufe drei ist schon happig. Wir würden nichts sagen, wenn es 50 oder 100 Euro mehr gewesen wären. Aber das geht gar nicht. Außerdem muss dann auch die Leistung stimmen. Ausgebildete Kräfte gehen und es wird viel mit Ellenbogen gearbeitet“, meint eine Demminerin, die ihre Mutter besser aufgehoben wünscht.