Mediziner im Notfall-Einsatz:

Hier geht es um Leben und Tod

Alles gut im Rettungsdienst? Erreichen die Helfer in den gesetzlich vorgeschriebenen zehn Minuten den Einsatzort? Schon ein Blick auf die Landkarte lässt Zweifel daran aufkommen, dass es im Altkreis Demmin keine weißen Flecken geben soll.

Unerwartete Hindernisse wie die geschlossene Demminer Bahnschranke können sich dem Rettungsdienst immer in den Weg stellen. Darüber hinaus aber lässt sich die Erreichbarkeit der Einsatzorte planen.
Georg Wagner/Archiv Unerwartete Hindernisse wie die geschlossene Demminer Bahnschranke können sich dem Rettungsdienst immer in den Weg stellen. Darüber hinaus aber lässt sich die Erreichbarkeit der Einsatzorte planen.

Wenn der Landtag über eine Änderung des Rettungsdienstgesetzes debattiert, dann wird das im Neuen Weg in Demmin genau verfolgt. Denn dort hat die Rettungswache des Roten Kreuzes ihren Sitz und alles, was der Landtag beschließt, betrifft direkt die Arbeit der Helfer dort. Es geht um Minuten, in jeder Hinsicht – um die Hilfsfristen bis zur Ankunft am Einsatzort, schlimmstenfalls um Leben und Tod von Patienten. Zehn Minuten gelten derzeit ab Eingang der Alarmierung dafür. In dieser Zeit soll jeder an einer Straße gelegene Ort erreichbar sein.

Glaubt man dem Papier, dann ist das im Bereich des Altkreises Demmin auch möglich. Im Gegensatz etwa zum Altkreis Mecklenburg-Strelitz hat er laut Kreisverwaltung keine Sondergebiete ausgewiesen, also Gegenden, in denen die Hilfsfrist nicht gilt. Die sogenannten weißen Flecken auf der Rettungsdienstkarte gebe es hier nicht, heißt es seitens der heutigen Kreisverwaltung. „Wir haben das bei der Kreisgebietsreform so vom früheren Kreis Demmin übernommen“, sagt Pressesprecherin Haidrun Pergande.

Sondergebiete gar nicht angemeldet

Nachdem auf der Grundlage eines Gutachtens aus dem Jahr 2001 sein Gebiet überplant worden war, hatte der frühere Kreis laut Sozialministerium gar nicht erst Sondergebiete angemeldet. Damit schätzte er die Bedingungen offensichtlich sehr optimistisch ein. So wurde bei einem Verwaltungsgerichtsverfahren im Jahr 2010 bekannt, dass insbesondere im Bereich Altentreptow die Frist in rund der Hälfte der Fälle nicht eingehalten worden sei. Erst mit der Rettungswache in Tützpatz anstelle Neukalens änderte sich das. Im Großen und Ganzen würden jetzt die vorgegebenen Zeiten eingehalten, so die Kreisverwaltung.

Doch auch das dürfte eine eher wohlwollende Einschätzung sein. Unter der Hand geben Rettungsdienstler zu, dass es so etwas wie weiße Flecken immer gab, und schon allein ein Blick auf die Karte legt diesen Gedanken nahe. Während sich die Rettungswachen im südlichen Teil des Altkreises von Malchin über Stavenhagen und Tützpatz bis Altentreptow wie Perlen auf einer Schnur reihen, klafft nördlich davon bis Demmin, Jarmen und Loitz eine große Lücke. Im Bereich Hohenmocker etwa, praktisch auf halber Strecke zwischen Demmin und Altentreptow, müssen die Sanitäter wohl sehr aufs Gaspedal treten, um nicht mehr als zehn Minuten zu brauchen.

20 Kilometer in zehn Minuten?

20 Kilometer beträgt der Weg von der Rettungswache im Neuen Weg bis nach Tentzerow. Je nach Verkehrslage benötigt man mit einem Pkw dafür rund 20 Minuten, wenn man sich an die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten hält, keine Lkw oder landwirtschaftlichen Maschinen vor sich hat und die Bahnschranken in Demmin geöffnet sind. Mit Blaulicht geht es natürlich schneller, zumal inzwischen die früher schlechte Landesstraße saniert ist. Aber auch in der Hälfte der Zeit? Die Kreisverwaltung denkt mittlerweile über eine neue Überplanung des gesamten Gebietes nach. „Das machen wir aber erst, wenn das Gesetz steht“, sagt Haidrun Pergande.

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